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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Erstes Buch
XIX. Kapitel

93.

1. Meinst du nicht, daß er auf Grund der hebräischen Schriften deutlich auf die Hoffnung des Gerechten nach dem Tode hinweist? Und im Demodokos, wenn die Schrift wirklich von Platon stammt, sagt er: "Das Philosophieren besteht doch wohl nicht darin, daß man sich sein ganzes Leben lang mit den einzelnen Fächern plagt oder sich ein reiches Wissen zu erwerben sucht und sich mit allen möglichen Dingen abmüht,1 sondern in etwas anderem, da ich für meinen Teil jenes sogar für eine Schande halte."2

2. Er wußte nämlich, meine ich, daß nach dem Ausspruch des Herakleitos "Vielwissen nicht Verstand haben lehrt".3

3.Und in dem 5. Buch des Staates sagt er: "Werden wir nun diese alle und andere, deren Wißbegierde sich auf irgendwelche Dinge dieser Art richtet, und die Freunde wertloser Künste als Philosophen ansehen? Keineswegs, sagte ich, sondern nur als solche, die Philosophen ähnlich sind. Welche aber, sagte er, hältst du für die wahren Philosophen? Diejenigen, sagte ich, die die Wahrheit zu schauen begierig sind."4

4. Denn nicht in der Geometrie, die es mit Voraussetzungen und Annahmen zu tun hat, und [S. 84] nicht in der Musik, die doch geschickt darin ist, das Richtige zu treffen,5 und nicht in der Astronomie, die von Lehren strotzt, die die Natur betreffen und schwankend und nur Vermutungen sind, besteht die Philosophie, sie ist vielmehr die Kenntnis des Guten selbst6 und der Wahrheit, während jene Wissenschaften zwar von dem Guten verschieden, jedoch Wege zum Guten sind.

5. Somit gibt auch Platon selbst nicht zu, daß die allgemeine Bildung zur Erfassung des Guten verhelfe, sondern nur, daß sie dazu beitrage, die Seele zu ermuntern und sie für die geistigen Dinge zu schulen.

1: Ich setze mit Postgate die Worte (xxx) nach (xxx) ein.
2: Platon, Erastai p. 137 B.
3: Herakleitos Fr. 40 Diels.
4: Platon, Staat V p. 475 DE.
5: Platon, Philebos p. 55 E. 56 A.
6: Ebd. Staat VII p. 534 BC.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger