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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Erstes Buch
X. Kapitel

48.

1. Ich habe mir, wie mir dünkt, mit Recht vorgenommen, entsprechend der (christlichen) Lehre zu leben und mich um das Verständnis ihres Sinnes zu bemühen, dagegen keineswegs Wohlredenheit zu erstreben, vielmehr mich damit zu begnügen, meine Gedanken nur auszudeuten. Mit welchem Wort aber das, was ich darlegen will, kundgetan wird, darum kümmere ich mich durchaus nicht. Denn selbst gerettet zu werden, das weiß ich wohl, und denen, die gerettet werden wollen, dabei behilflich zu sein, das ist das Wichtigste, nicht schöne Redensarten wie Schmuckstücke zusammenzusetzen.

2. "Und wenn du dich davor hütest", sagt der Pythagoreer in Platons Politikos, "Wert auf die Worte zu legen, so wirst du dich im Alter reicher an Verständnis zeigen."1

3. Und im Dialog Theaitetos kannst du wieder folgendes finden: "Die Sorglosigkeit in der Verwendung von Wörtern und Redensarten und der Verzicht auf eine peinliche Auswahl ist in den meisten Fällen nicht unwürdig, vielmehr ist das Gegenteil davon unschön, aber manchmal ist es notwendig."2

4. Dies hat die Schrift möglichst kurz ausgedrückt, wenn sie sagt: "Werde nicht geschwätzig!"3 Denn die Worte sind wie das Kleid am Körper, der Inhalt ist wie das Fleisch und die Sehnen. Man darf also nicht mehr um das Kleid als um das Wohl des Körpers besorgt sein.4

5. Denn der Einfachheit und Schlichtheit und Natürlichkeit soll nicht nur in seiner Lebensweise, sondern auch in seiner Rede der sich befleißigen, der die Verpflichtung auf sich genommen hat, das wahre Leben zu führen,5 sofern wir wenigstens die Üppigkeit als gefährlich und unheilvoll verwerfen, so wie die alten Lakedaimonier die Salben und den Purpur, die mit Recht für gefährlich die Kleider, für [S. 50] gefährlich die Salben hielten und so bezeichneten;6 denn weder ist jene Zubereitung der Speise gut, die mehr Gewürze als Nährstoffe enthält, noch ist eine Verwendung der Rede schön, die die Hörer mehr ergötzen als fördern kann.

6. Pythagoras rät, die Musen für lieblicher als die Sirenen zu halten,7 womit er lehren will, daß man die Wissenschaften pflegen soll, jedoch nicht mit dem Streben nach Befriedigung einer Lust, und die andere Verlockung als trügerisch erweist. Es genügt, daß ein einziger an den Sirenen vorübergefahren ist,8 und daß ein anderer, wieder nur ein einziger, der Sphinx die Antwort gegeben hat9 und wenn ihr wollt, hätte es nicht einmal ein einziger sein sollen.

1: Platon, Politikos p. 261 E.
2: Ebd. Theaitetos p.184 BC.
3: Job 11,3 (aus dem 1.Clemensbrief 30,5).
4: Vgl. Mt 6,25; Lk 12,22 f.
5: Sacr. Par. 210 Holl.
6: Vgl. Athenaeus XV p. 686 F; Paid. II 65,1; Seneca, Nat. quaest. IV 13,9. Zum letzten Satzteil vgl. Herodotos 3,22; Plut. Mor. p. 270 E; 863 DE.
7: Pythagoras, Sent. 12 Mullach FPG I p. 500.
8: Vgl. Hom. Od. 12,165 ff.
9: Oidipus, der das Rätsel der Sphinx löste, aber dadurch sein unheilvolles Geschick herbeiführte.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger