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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).
Erstes Buch
I. Kapitel

9.

1.1 Wer nun zu Anwesenden spricht, der nimmt bei der Prüfung (der Hörer) Rücksicht auf die Zeit und trifft seine Entscheidung auf Grund seiner Urteilskraft und sondert so von den übrigen den aus, der zu hören fähig ist, indem er dabei achtet auf die Worte, die Sitten, die Sinnesart, die Lebensweise, die Bewegungen, die Haltung, den Blick, die Stimme, den Kreuzweg, den Felsen, den Weg, auf dem alles zertreten wird, die fruchtbare Erde, die mit dichtem Gestrüpp bewachsene Gegend, das ergiebige und gute und wohlangebaute Land, das die Aussaat vielfältig wiedergeben kann.2

2. Wer dagegen in Schriftwerken spricht, der sucht sich ein reines Gewissen Gott gegenüber zu schaffen, indem er in seiner Schrift folgendes laut bezeugt, daß er nicht um Gewinnes willen, nicht eitler Ehre zuliebe schreibe,3 daß er sich nicht von leidenschaftlicher Liebe bestimmen, nicht von Furcht knechten, nicht von Freude betören lasse, daß er keinen anderen Genuß haben wolle als das Heil seiner Leser, einen Genuß, dessen er nicht einmal sogleich in der Gegenwart teilhaftig wird, sondern nur durch Hoffnung, indem er zuversichtlich auf die Vergeltung wartet, die ihm ohne Zweifel von dem zuteil werden wird, der den Arbeitern den Lohn nach ihrem Verdienst auszuzahlen versprochen hat.4

3. Aber wer in den Stand der Männer aufgenommen sein (wer als Mann gelten) will, der darf nicht nach Belohnung streben. Denn hat nicht der, der sich einer guten Tat rühmt, die Belohnung bereits durch die ihm zuteilgewordene Ehre erhalten,5 und ist nicht andererseits der, der eine Pflicht nur wegen der damit verbundenen Belohnung erfüllt (sei es, daß er als Rechtschaffener sie zu erhalten bestrebt ist, [S. 18] sei es, daß er als Übeltäter die Strafe zu vermeiden sucht) in der weltlichen Gewohnheit befangen? Man muß aber soviel wie möglich den Herrn nachahmen.

4. Das wird aber bei dem der Fall sein, der den Willen Gottes zu erfüllen beflissen ist, der umsonst gibt, wie er umsonst empfangen hat6 und als ansehnlichen Lohn das Bürgerrecht selbst empfängt. "Nicht soll in das Heiligtum Hurenlohn kommen"7 heißt es.

1: Zum folgenden Vgl. Platon, Phaidros p. 275D ff..
2: Vgl. Mt 13,3-8; Mk 4,3-8; Lk 8,4-8.
3: Nach (xxx) charin ist wohl (xxx) graphein ausgefallen.
4: Vgl. Mt 20,4.
5: Vgl. Mt 6,5.
6: Vgl. Mt 10,8.
7: Vgl. Dtn 23,18 mit 23,2f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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