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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Welcher Reiche wird gerettet werden? (Quis dives salvetur?)

27.

[S. 258] 1. Indessen soll wenigstens dargelegt werden, was das Gleichnis zunächst zeigt und weshalb es der Herr gebraucht hat. Es soll die Vermöglichen lehren, daß sie die Sorge für ihr Heil nicht aufgeben dürfen, als wären sie bereits im voraus verurteilt, und daß sie andererseits den Reichtum nicht ins Meer werfen1 und als einen heimtückischen Feind des Lebens verurteilen dürfen, sondern daß sie vielmehr lernen müssen, in welcher Weise und wie sie den Reichtum zu gebrauchen und das Leben zu erwerben haben. 2. Denn da ein Mensch weder unbedingt zugrunde geht, wenn er es wegen seines Reichtums fürchtet, noch unbedingt gerettet wird, wenn er zuversichtlich an seine Rettung glaubt, so wollen wir sehen, welche Hoffnung der Heiland ihnen vorzeichnet und auf welche Weise das, was sie nicht hofften, ihnen verbürgt wird, und das, was sie hoffen, zu ihrem Besitz werden kann.

3. Es sagt also der Meister, als er gefragt wurde, welches das größte Gebot sei: "Du sollst lieben den Herrn deinen Gott von ganzem Herzen und aus deinem ganzen Vermögen!" Dieses sei das größte Gebot;2 daß er so sprach, ist wohl berechtigt. 4. Denn dieses Gebot bezieht sich auf das Erste und Größte, auf Gott unseren Vater selbst, durch den alles geworden ist und besteht und zu dem das, was gerettet wird, wieder zurückkehrt.3 5. Da wir von diesem zuvor geliebt wurden4 und unser Leben empfingen, wäre es nicht recht, irgend etwas mehr zu achten und zu ehren; vielmehr müssen wir ihm diesen kleinen Dank für die größten Wohltaten erweisen, da wir für den bedürfnislosen und vollkommenen Gott nichts anderes als Dank ersinnen können, uns selbst aber Unvergänglichkeit eben dadurch erwerben, daß wir nach der uns eigenen Kraft und nach unserem Vermögen den Vater lieben. Denn so viel einer Gott liebt, desto mehr dringt er auch in Gott ein.

1: Diog. Laert. VI 87 erklärt, Krates habe sein Geld ins Meer geworfen.
2: Mk 12,30.
3: Vgl. Röm 11,36.
4: Vgl. 1 Joh 4,19.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger