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Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Welcher Reiche wird gerettet werden? (Quis dives salvetur?)

25.

1. Mit diesen Gedanken stimmt in gleicher Weise auch das folgende überein: "Jetzt aber in dieser Zeit Äcker und Geld und Häuser und Brüder unter Verfolgungen zu haben, wozu soll das nütze sein?"1 2. Denn er ruft nicht Besitz- und Obdachlose und solche, die keine Brüder haben, zum ewigen Leben, da er ja auch Reiche berufen hat (aber in der Weise, von der wir früher sprachen),2 und ebenso auch Brüderpaare wie den Petrus mit Andreas und den Jakobus mit Johannes, die Söhne des Zebedaios,3 die aber unter sich und mit Christus eines Sinnes waren. 3. Aber all dies einzelne "unter Verfolgungen" zu haben, verwirft er. Es gibt aber zwei Arten von Verfolgung: Die eine kommt von außen, wenn die Menschen aus Feindschaft oder Neid oder Gewinnsucht oder unter dem Einfluß des Teufels die Gläubigen verfolgen. 4. Die schlimmste Verfolgung aber ist im Innern; sie kommt für jeden aus der Seele selbst, wenn sie von gottlosen Begierden und mannigfachen Lüsten und bösen Erwartungen und schädlichen Traumgebilden verderbt wird, wenn sie immer nach mehr verlangt und von wilden Lüsten in Raserei4 und Glut versetzt ist und von den in ihr wohnenden Leidenschaften wie von Stacheln oder Sporen bis aufs Blut mißhandelt und zu wahnwitzigen Bestrebungen und zur Verzweiflung am ewigen Leben und zur Verachtung Gottes gehetzt wird. 5. Das ist die härtere und schlimmere Verfolgung, da sie von innen kommt und immer da ist und der Verfolgte ihr nicht entrinnen kann; denn er trägt den Feind überall in sich mit herum.5 6. So bewirkt auch die von außen kommende [S. 256] Glut Bewährung,6 die aber von innen kommende bringt den Tod. Und der von außen herangetragene Krieg wird leicht beendet, der in der Seele aber dauert fort bis zum Tod. 7. Wenn du mit einer solchen Verfolgung den sichtbaren Reichtum besitzest oder die leiblichen Brüder oder die anderen Pfänder der Liebe hast, so verlaß all diesen zum Unheil führenden Besitz! Gönne dir selbst den Frieden, befreie dich von langer Verfolgung, kehre dich von jenem Besitz ab zum Evangelium, ziehe allem andern den Heiland vor, den Verteidiger und Tröster deiner Seele, den Fürsten des ewigen Lebens! 8. "Denn das Sichtbare ist vergänglich; das Unsichtbare aber ist ewig".7 Und in der Gegenwart ist das vorhanden, was schnell stirbt und unbeständig ist, "in der kommenden Zeit aber ist ewiges Leben".8

1: Vgl. Mk 10,30; vgl. oben 4,10 mit Anm.
2: Vgl. oben 13,5.
3: Vgl. Mt 4,18-22 und Parallelen.
4: Vgl. Platon, Phaid. p. 81 A; Staat I p. 329 C.
5: Vgl. Platon, Soph. p. 252 C.
6: Vgl. 1 Kor 3,13;Röm 5,4; 1 Petr 4,12.
7: 2 Kor 4,18.
8: Mk 10,30.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger