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Origenes († 253/54) - Gegen Celsus (Contra Celsum)
Viertes Buch

31.

Doch dieser "Wahnsinn" ist uns fremd, dass wir solche menschliche Weisheit - dieses Wort in seiner gewöhnlichen Bedeutung genommen -, die sich nicht damit abgibt, worauf die große Menge Wert legt, sondern der Erforschung der Wahrheit obliegt, mit dem Tun und Treiben von "Regenwürmern" oder andern derartigen Tieren vergleichen wollten. Als Freunde der Wahrheit geben wir vielmehr einige der griechischen Philosophen das Zeugnis, dass sie Gott erkannt haben, da "Gott es ihnen offenbart hat", wenn sie ihn auch nicht "als Gott gepriesen noch ihm gedankt haben, sondern eitel geworden sind in ihren Gedanken", und "während sie sich für Weise ausgaben, wurden sie zu Toren und tauschten für die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes ein das Abbild der Gestalt eines vergänglichen Menschen, auch der Vögel und der vierfüßigen und kriechenden Tiere"1

Hierauf will Celsus feststellen, dass sich Juden und Christen in nichts von den bei ihm oben genannten Tieren unterscheiden, und sagt deshalb, " die Juden seien aus Ägypten entlaufene Sklaven; hätten niemals etwas Bemerkenswertes geleistet und seien weder ihrem Werte noch ihrer Zahl nach jemals in Betracht gekommen." Dass sie nun keine "entlaufenen Sklaven" sind und keine Ägyptier von Geburt, sondern Hebräer, die sich in Ägypten angesiedelt haben, ist oben von uns bereits gesagt. Wenn er aber meint, seine Behauptung, dass die Juden "weder ihrem Werte noch ihrer Zahl nach in Betracht gekommen seien", werde dadurch bestätigt, dass die griechischen Schriftsteller von ihrer Geschichte fast gar nichts wissen, so geben wir ihm zur Antwort: Wenn man die von Anfang an bestehende staatliche Verfassung und gesetzliche Ordnung der Juden betrachtet, so wird man wohl finden, dass sie Menschen gewesen sind, deren irdisches Leben ein Schatten2 des himmlischen war, bei denen nichts anderes göttliche Verehrung genoß als der Allerhöchste, die keinen in ihrem Gemeinwesen duldeten, der Bildwerke anfertigte. Weder ein Maler noch ein Bildhauer befand sich in ihrem Staate; denn das Gesetz schloß alle diese Künstler von ihm aus, damit man keine Gelegenheit zur Herstellung von Bildern hätte, wodurch unverständige Menschen verleitet und die Augen der Seele von Gott weg und zur Erde herabgezogen werden. Bei ihnen war also auch ein solches Gesetz in Geltung: "Sündiget nicht und schnitzet euch kein Gleichnis, kein Bild eines Mannes oder Weibes, kein Bild irgendeines Tieres, das auf Erden ist, oder von Vögeln, die unter dem Himmel fliegen, oder von Würmern, die auf der Erde kriechen, oder von Fischen, die unter der Erde im Wasser sind"3 .

Das Gesetz wollte, dass sie sich an das wahre Wesen eines jeden Dinges hielten und sich nicht andere Dinge wider die Wahrheit gestalteten, die das wahrhaft Männliche oder das rein Weibliche oder die Natur der Säugetiere oder das Geschlecht der Vögel oder der kriechenden Tiere oder der Fische vortäuschen sollten. Sie hatten ferner das würdige und erhabene Gebot: "Dass du nicht, wenn du deine Augen zum Himmel erhebst und die Sonne schauest und den Mond und die Sterne, den ganzen Schmuck des Himmels, dich irrest und sie anbetest und ihnen dienest"4 . Und wie trefflich mußte das staatliche Leben des ganzen Volkes sein, bei dem sich ein weibischer Mensch nicht einmal öffentlich sehen lassen konnte!5 . Bewunderung verdient auch die Bestimmung, dass die Freudenmädchen, durch die die Sinnenlust der jungen Leute entflammt wird, aus ihrem Staat verbannt waren6 . Die Gerichte wurden bei ihnen aus den rechtschaffensten Männern gebildet; nur solchen, die während langer Zeit nachweislich einen tugendhaften Wandel geführt hatten, wurde die Rechtspflege anvertraut7 ; wegen ihrer Sittenreinheit, die sie über die Menschen emporhob, erhielten sie nach einem den Juden von Alters her eigentümlichen Brauch den Namen "Götter"8 . Das ganze Volk konnte man der Weisheit dienen sehen; und um Muße zu haben, die göttlichen Gesetze anzuhören, richteten sie die sogenannten Sabbate und die übrigen Feste ein9 . Und was soll ich sagen von ihrer Priesterordnung und von ihren Opfern mit ihren zahllosen Sinnbildern, deren Bedeutung den Wißbegierigen klar wird?10 .

1: vgl. Rm 1,19ff
2: und Nachbild
3: vgl. Dtn 4,16-18
4: vgl. Dt 4,19
5: vgl. Dtn 23,1.17
6: vgl. ebd 23,17
7: vgl. Ex 18,21f; Dt 1,15
8: vgl. Ps 81,1; Ex 22,28
9: vgl. Ex 31.13: Dt 16,16
10: vgl. Lev 1-11, 21.22

 

 

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Vorbemerkung
Allgemeine Einleitung über Leben und Schriften des Origenes

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger