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Origenes († 253/54) - Gegen Celsus (Contra Celsum)
Zweites Buch

10.

Was uns Jesus "angekündigt und nicht ausgeführt hat" , das mag Celsus dartun und aufzeigen. Aber er wird es nicht können. Denn die Anklagen, die er gegen Jesus oder gegen uns vorbringt, meint er teils Berichten, die er falsch verstanden hat, teils Stellen aus den Evangelien, teils jüdischen Erzählungen entnehmen zu können. Und wenn der Jude weiter sagt: "Wir haben ihn überführt und verurteilt und wollten ihn strafen" so möge man uns zeigen, wie jene ihn "überführt" haben, die falsche Zeugnisse wider ihn aufzustellen suchten1 man müßte denn einen starken Beweis gegen Jesus in den Worten seiner Ankläger finden, wenn sie sagten: "Dieser sprach: Ich kann den Tempel Gottes zerstören und in drei Tagen wieder aufbauen"2 . Er "redete" da "von dem Tempel seines Leibes"3; jene aber verstanden nicht, was er damit sagen wollte, und meinten , er rede von dem steinernen Tempel4 , der bei den Juden in höheren Ehren stand, als wie der wahre Tempel Gottes des Wortes und der Weisheit und der Wahrheit hätte geehrt werden müssen. Es mag aber jemand angeben, wie denn "Jesus in schmählichster Weise sich verbarg und zu entlaufen suchte" : man zeige uns eine Handlung Jesu, die der Schmähung wert wäre!

"Er wurde ergriffen", sagt Celsus. Ich antworte: Wenn "ergriffen werden" etwas Unfreiwilliges ist, so wurde Jesus nicht "ergriffen", denn Jesus hat es nicht gehindert, dass er zu passender Zeit in die Hände der Menschen geriet als "das Lamm Gottes", damit er "die Sünde der Welt wegnehmen sollte"5 . "Da Jesus nun alles, was über ihn kommen sollte, wußte, ging er hinaus und sagte zu ihnen: `Wen suchet ihr?' Sie antworteten ihm: `Jesus, den Nazoräer'. Jesus spricht zu ihnen: 'Ich bin es.' Es stand aber auch Judas, der ihn verriet, bei ihnen. Als er nun zu ihnen sprach: 'Ich bin es`, da wichen sie zurück und fielen zu Boden. Da fragte er sie wiederum: 'Wen suchet ihr?' Sie sprachen wiederum: 'Jesus, den Nazoräer'. Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, dass ich es bin; wenn ihr also mich suchet, so lasset diese gehen!"6 . Aber auch zu dem, der ihm helfen wollte und "dem Knecht des Hohenpriesters" schlug und ihm "das Ohr" abhieb7 , sagte Jesus: "Stecke dein Schwert in die Scheide! Denn alle, die das Schwert ergreifen, werden durch das Schwert umkommen.

Oder meinst du, dass ich nicht sogleich meinen Vater bitten könnte, und er mir mehr als zwölf Legionen Engel schicken würde? Wie sollten sich aber dann die Schriften erfüllen, dass es so geschehen müsse?"8 Wenn aber jemand glaubt, dass an diesen Stellen Erfindungen der Evangelisten vorlägen, wie sollten dann nicht vielmehr die Anklagen derer, die aus Feindschaft und Hass gegen Jesus und die Christen sprechen, Erfindungen sein, Wahrheit aber die Äußerrungen derer, die die Echtheit ihrer Gesinnung gegen Jesus dadurch erweisen, dass sie um seiner Worte willen alle möglichen Leiden auf sich genommen haben? Denn [wie wäre es möglich], dass die Jünger Jesu eine so große Ausdauer und Standhaftigkeit bis zum Tode bei einer Gesinnung gezeigt hätten, die über den Meister Unwahres erdichtete? In den Augen der einsichtsvollen Beurteiler ist der Beweis dafür, dass die Evangelisten aus innerster Überzeugung berichtet haben, dadurch geführt, dass sie so viele große Leiden um deswillen auf sich nahmen, von dem sie glaubten, dass er der Sohn Gottes war.-

1: vgl. Mt 26,59
2: Mt 26,61
3: Joh 2,21
4: ebd
5: Joh 1,29
6: Joh 18,4-8
7: Mt 26,51
8: Mt 26,52-54

 

 

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Vorbemerkung
Allgemeine Einleitung über Leben und Schriften des Origenes

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger