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Origenes († 253/54) - Gegen Celsus (Contra Celsum)
Zweites Buch

9.

Hierauf sagt der Jude: "Wie hätten wir den für einen Gott halten sollen, der im übrigen, wie man hörte, keines von den Werken aufzeigte, die er ankündigte, und als wir ihn überführt und verurteilt hatten und strafen wollten, sich verbarg und zu entlaufen suchte und in schmählichster Weise ergriffen und gerade von jenen, die er seine Jünger nannte, verraten wurde? Indessen durfte er, wenn er Gott war, weder fliehen noch gebunden abgeführt, am aller wenigsten aber von seinen Genossen, die persönlich alles mit ihm teilten und ihn zum Lehrer hatten und für den Heiland und Sohn und Boten des höchsten Gottes hielten, im Stich gelassen und preisgegeben werden.! Darauf erteilen wir die Antwort: Auch wir nehmen nicht an, dass der damals geschaute und wahrnehmbare Leib Jesu Gott gewesen sei. Und warum spreche ich bloß vom Leibe? Auch die Seele war nicht Gott, von der gesagt ist: "Meine Seele ist betrübt bis zum Tode"Mt 26,38: Mk 14,34 . Wie der, welcher spricht: "Ich, der Herr, bin der Gott alles Fleisches"Jer 39.27; vgl. Num 27,16 , und wieder: "Vor mir ward kein anderer Gott gebildet, und so wird auch nach mir keiner sein"Jes 43,10 , nach dem Glauben der Juden Gott selbst ist, der die Seele und den Leib des Propheten als Werkzeug gebraucht, und wie bei den Griechen der, welcher spricht: "Aber ich kenne die Zahl des Sandes, die Maße des Meeres, und verstehe den Stummen und höre, wenn einer nicht redet"Herodot I 47 , für einen Gott gehalten wird, der durch Vermittlung der Pythia redet und gehört wird: so lehren auch wir, dass Gott, das Wort, der Sohn des allmächtigen Gottes es ist, der in Jesus gesprochen hat: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben"Joh 14,6 , und wieder: "Ich bin die Tür"ebd 10,7 , und dann: "Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist"ebd 6,51 , und wenn es sonst noch ein ähnliches Schriftwort gibt.

"Wir werfen also den Juden vor, dass sie Jesus nicht für einen Gott gehalten haben", obwohl er vielfach von den Propheten als "große Kraft" und als "Gott" gemäß dem allmächtigen Gott und Vater bezeugt istJoel 2,25; 2 Kön 7,14Hebr 1,5 . Denn zu ihm hat nach unserer Überzeugung der Vater die befehlenden Worte gesprochen, die wir in der von Moses geschriebenen Schöpfungsgeschichte lesen: "Es werde Licht" und: "Es werde eine Veste" und all das übrige, dessen Entstehen Gott angeordnet hat, zu ihm hat er auch diese Worte gesprochen: "Lasset uns einen Menschen machen nach unserem Bild und Gleichnis"Gen 1,3.6.26 ; und alles, was der Vater ihm geboten hat, wie wir glauben, das Wort gemäß dem Auftrag gemacht. Und wir sagen dies nicht etwa auf Grund eigener Erwägung, sondern vielmehr im festen Glauben an die Weissagungen, die bei den Juden verbreitet sind. In diesen heißt es nämlich von Gott und seinen Werken wörtlich so: "Er sprach, und sie sind geworden, er gebot, und sie wurden geschaffen"Ps 32,9; 148,5 . Wenn Gott gebot und die Werke geschaffen wurden, wer dürfte wohl nach dem Sinne des prophetischen Geistes fähig gewesen sein, diesen gewaltigen Auftrag des Vaters auszuführen, wenn nicht der, welcher sozusagen beseeltes Wort und "Wahrheit" war?Joh 1,1;14,6 . Und der in Jesus die Worte sprach: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben"Joh 14,6 ist auch nach den Evangelien nicht ein begrenztes Wesen in der Weise, dass er außer der Seele und dem Leibe Jesu nirgends war. Dies erhellt aus vielen Stellen, aber auch aus den wenigen, die wir anführen wollen. Wenn Johannes der Täufer die nahe Ankunft des Sohnes Gottes verkündet, so meint er da nicht ein Wesen, das auf jenen Leib und auf jene Seele beschränkt war, sondern eines, das überall weilt; er sagt nämlich: "Mitten unter euch steht er, den ihr nicht kennt, der nach mir kommt"Joh 1,26.27 .

Hätte er nun gemeint, der Sohn Gottes wäre nur da, wo der sichtbare Leib Jesu war, wie hätte er dann sagen können: "Mitten unter euch steht er, den ihr nicht kennt"? Und Jesus selbst will seine Jünger zu einer höheren Erkenntnis des Sohnes Gottes führen, wenn er sagt: "Wo zwei oder drei versammelt sind auf meinen Namen, da bin ich mitten unter ihnen"Mt 18,20 . Von solcher Art ist auch seine Ankündigung an die Jünger, als er sagte: "Und sieh, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt"Mt 28,20 .

Dies sagen wir aber, ohne den Sohn Gottes von Jesus zu trennen. Denn nach der Menschwerdung ist die Seele und der Leib Jesu mit dem Worte Gottes zur innigsten Einheit verbunden. Wenn nach der Lehre des Paulus, die er in den Worten ausspricht: "Wer dem Herrn anhängt, ist ein Geist mit ihm"1 Kor 6,17 , alle, die die Bedeutung der Verbindung mit dem Herrn erkennen und ihm wirklich anhängen," ein Geist mit dem Herrn sind": mußte dann nicht in weit höherer und göttlicherer Weise jenes Wesen mit ihm eins sein, das einmal mit dem Worte Gottes in Verbindung trat? Dass er "Gottes Kraft" sei, bewies Jesus den Juden durch seine Wunder, welche Celsus als Zauberkünste verdächtigen will, während die Juden sie - woher sie ihr Wissen haben, weiß ich nicht - dem Beelzebul zuschrieben, wenn sie sagten: "In Beelzebul, dem Fürsten der Dämonen, treibt er die Dämonen aus". Den großen Unverstand, der sich in diesen Worten kundgab, wies unser Heiland durch die Tatsache nach, dass das Reich der Bosheit noch nicht zu Ende seiMt 12,25-29 . Dies wird sicher allen klar sein, welche mit Verständnis den evangelischen Bericht lesen, den jetzt auszulegen nicht an der Zeit ist.

 

 

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Vorbemerkung
Allgemeine Einleitung über Leben und Schriften des Origenes

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger