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Origenes († 253/54) - Gegen Celsus (Contra Celsum)
Zweites Buch

16.

Ganz einfältig aber sagt Celsus, dass "die Jünger zur Entschuldigung dessen, was Jesus betroffen hatte, solche Dinge über ihn aufgezeichnet hätten". "Wie wenn man" sagt er, "behaupten wollte, dass jemand gerecht sei, und zeigte, dass er Unrecht täte, und behaupten wollte, dass er fromm sei, und zeigte, dass er morde, und behaupten wollte, dass er unsterblich sei, und ihn als Toten zeigte und zu all diesem hinzufügte, dass er dies eben vorausgesagt habe." Das Beispiel des Celsus ist: von vornherein unzutreffend, denn es ist gar nicht unvernünftig, wenn der, welcher den Menschen in seiner Person ein Ziel geben wollte, wie sie zu leben hätten, ihnen auch zeigte, wie sie für die Frömmigkeit sterben müßten; abgesehen davon, dass sein Sterben für die Menschen, wie wir im ersten Buche gezeigt haben, der ganzen Menschheit heilbringend war. In dem rückhaltlosen Geständnis, dass Jesus gelitten habe, sieht Celsus dann eine Bestätigung, nicht eine Widerlegung seines Beweises. Von allem, was hierüber der tiefe Geist des Paulus ausgedacht hat und die Propheten verkündet haben, weiß er eben nichts; auch entging ihm, dass einer von den Irrlehrern gesagt hat, das Leiden Jesu sei nur ein scheinbares, kein wirkliches gewesen. Hätte er das gewußt, so würde er nicht gesagt haben: "Denn auch dieses sagtet ihr ja nicht, es habe nur den gottlosen Menschen so geschienen, dass er dieses leide, er habe aber nicht gelitten, nein, ihr gesteht offen, dass er gelitten habe" Uns liegt es fern, das Leiden Jesu als ein scheinbares zu bezeichnen, damit nicht auch seine Auferstehung eine Lüge wird, während sie doch Wahrheit ist. Denn war er wirklich gestorben, so war auch seine Auferstehung eine wahre, wenn er auferstand; dagegen war seine Auferstehung nicht wahrhaft, wenn sein Sterben nur scheinbar war.

Die Ungläubigen spotten über unsere Lehre von der Auferstehung Jesu Christi. Wir wollen deshalb an den Bericht erinnern, den Plato von Er, dem Sohne des Armenios, gibt, dass dieser sich nämlich nach zwölf Tagen wieder lebendig vom Scheiterhaufen erhoben und von den Dingen erzählt habe, die er in der Unterwelt gesehen. Ungläubigen gegenüber wird es für diesen Punkt nicht ganz unnütz sein, hier auch jenes Weibes bei Herakleides Erwähnung zu tun, bei welcher das Atmen aufgehört hatte. Man erzählt von vielen, die auch aus den Gräbern zurückgekehrt sind, und zwar nicht nur am Tage der Beerdigung selbst, sondern sogar noch Tags darauf. Ist es also befremdend, wenn der, dessen Wundertaten zahlreich und übermenschlich und so offenkundig sind, dass die Gegner, außerstande, ihre Tatsächlichkeit klar zu erkennen, sie dadurch herabsetzen, dass sie sie mit Zaubereien vergleichen, wenn also dieser auch bei seinem Lebensende etwas vor andern voraus hatte, dass nämlich seine Seele den Leib freiwillig verließ, um wieder in ihn zurückzukehren, sobald es ihr gefiel, nachdem sie außerhalb des Leibes Heilsveranstaltungen vollbracht hatte? Darauf aber weisen die Worte Jesu hin, die wir bei Johannes aufgezeichnet finden: "Niemand nimmt meine Seele1 von mir, sondern ich setze sie ein von mir aus. Ich habe Vollmacht sie einzusetzen, und habe Vollmacht, sie wieder zu empfangen"2 . Und vielleicht schied er deshalb so eilig aus dem Leibe, damit dieser erhalten bliebe und seine Gebeine nicht zerbrochen würden wie die der Räuber, die mit ihm gekreuzigt waren. "Denn die Soldaten zerbrachen die Beine des ersten und des andern, der zugleich mit ihm gekreuzigt worden war. Als sie aber zu Jesus kamen, und sagen, dass er schon gestorben sei, zerbrachen sie seine Beine nicht"3 .

Auch die Frage: " Wie ist es glaublich, dass Jesus diese Dinge sollte vorausgesagt haben?" ist nunmehr von uns beantwortet; wir wenden uns jetzt zu der folgenden: `["Woher ist unsterblich der Tote?" Jeder, der es hören will, mag lernen: "Unsterblich" ist nicht "der Tote", unsterblich ist der, welcher von den Toten auferstand. Also ist nicht nur "der Tote" nicht "unsterblich", sondern es war auch Jesus, der zwei Naturen in sich vereinigt, nicht "unsterblich" vor seinem Tode, weil er eben sterben sollte. Denn niemand ist "unsterblich", der einmal sterben soll; "unsterblich" ist nur, wer nicht mehr sterben wird. "Nachdem Christus von den Toten auferweckt ist, stirbt er nicht mehr, der Tod hat keine Gewalt mehr über ihn"4 , wenn auch die Leute, die den Sinn dieser Worte nicht fassen können, hiermit nicht einverstanden sind.

1: = mein Leben
2: Joh 10,18
3: Joh 19,32 f
4: Röm 6,9

 

 

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Vorbemerkung
Allgemeine Einleitung über Leben und Schriften des Origenes

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger