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Origenes († 253/54) - Gegen Celsus (Contra Celsum)
Zweites Buch

11.

Den weiteren Vorwurf, dass "Jesus von denen verraten wurde, die er seine Jünger nannte", entnahm der Jude bei Celsus den Evangelien; nur bezeichnet er den einen Judas als "viele Jünger", um seiner Anschuldigung dadurch mehr Nachdruck zu geben. Er hat übrigens nicht alles, was die Schrift von Judas berichtet, in Erwägung gezogen. Judas war in widerstreitende und entgegengesetzte Urteile über seinen Lehrer verfallen: er war weder mit ganzem Herzen Jesu feindlich gesinnt, noch bewahrte er ihm mit ganzem Herzen die Ehrfurcht, die ein Schüler seinem Lehrer schuldig ist. "Denn der Verräter gab" dem Volke, das gekommen war, um Jesus gefangen zu nehmen, "ein Zeichen und sprach: "Den ich küssen werde, der ist es, den greifet"1 . Er bewahrte ihm da noch einige Ehrfurcht; denn wäre diese nicht vorhanden gewesen, so hätte er ihn wohl geradezu, ohne den heuchlerischen Kuß, seinen Feinden überliefert. Daraus werden nun alle von der Gesinnung des Judas die Überzeugung gewinnen, dass mit seiner Geldgier und der ruchlosen Absicht, den Meister zu verraten, in seiner Seele ein Gefühl verbunden war, das die Worte Jesu in ihm hervorgebracht hatten, und das sozusagen die Andeutung eines Überrestes von Redlichkeit in ihm enthielt. Wir lesen nämlich: "Da Judas, sein Verräter, sah, dass er verurteilt war, reute es ihn, und er brachte die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und Ältesten zurück und sprach: 'Ich habe gesündigt, dass ich unschuldiges Blut verriet.' Sie aber sprachen:'Was geht das uns an? Da sieh du zu!'Da warf er die Silberlinge in den Tempel, zog sich zurück und ging hin und erhängte sich"2 Wenn der geldgierige Judas, der das Almosen stahl, das für die Armen in "den Opferstock" gelegt wurde3 , "aus Reue die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und Ältesten zurückbrachte"4 , so ist die Reue unzweifelhaft eine Wirkung der Lehren Jesu, die der Verräter nicht ganz und gar verachten und verwerfen konnte.

Aber auch die Erklärung: "Ich habe gesündigt, dass ich unschuldiges Blut verriet"5 enthielt ein Geständnis seiner Schuld. Der Reueschmerz über seine Sünden war, wie man sieht, so brennend und so groß, dass er selbst das Leben nicht mehr ertragen konnte, sondern das Geld "in den Tempel hinwarf, sich zurückzog und hin ging und sich erhängte"6 .

Denn er sprach sich selbst das Urteil und zeigte damit, welche Gewalt die Lehre Jesu selbst über einen Sünder wie Judas ausübte, diesen Dieb und Verräter, der das, was er von Jesus gelernt hatte, nicht gänzlich mißachten konnte. Oder werden Celsus und seine Freunde die Nachrichten, welche dartun, dass der Abfall des Judas selbst nach dem an seinem Meister verübten Frevel kein vollständiger war, als Erfindung erklären und nur das als Wahrheit gelten lassen, dass einer seiner Jünger ihn verriet, und werden sie die Schrift noch mit dem Zusatz ergänzen, dass dieser ihn mit ganzer Seele verriet? Es ist ja ungereimt sich in der Annahme oder Nichtannahme der Zeugnisse eines und desselben Buches nur von Feindschaft bestimmen zu lassen.

Wenn wir aber auch über Judas ein Wort anführen dürfen, das unsere Gegner beschämen muß, so können wir auf den ganzen hundertachten Psalm hinweisen, der die Prophezeiung über Judas enthält und so beginnt: "O Gott, verschweige mein Lob nicht, weil der Mund des Sünders und der Mund des Arglistigen sich über mich aufgetan hat"7 . Es ist dort auch vorausgesagt, "dass Judas sich wegen seiner Sünde aus der Zahl der Apostel ausschließen und ein anderer an seine Stelle gewählt werden würde"8 ; dies wird in dem Satze deutlich ausgesprochen: "Und sein Amt erhalte ein anderer!"9 . Doch selbst angenommen, Jesus sei von einem seiner Jünger verraten worden, der noch schlechter gesinnt gewesen wäre als Judas und alle Lehren, die er von Jesus gehört hatte, gleichsam von sich abgeworfen hätte: wie sollte dies zu einer Anklage gegen Jesus oder gegen das Christentum beitragen? Und wie soll hierdurch die Irrtümlichkeit der Lehre bewiesen sein? Was Celsus hier noch weiter vorbringt, haben wir bereits früher widerlegt. Wir haben nämlich gezeigt, dass Jesus nicht "auf der Flucht ergriffen wurde", sondern sich freiwillig für uns alle dahingegeben hat. Daraus folgt, dass, wenn er auch "gebunden wurde", dies mit seinem Willen geschah, um uns zu lehren, ähnliche Leiden für unsern Glauben willig auf uns zu nehmen.

1: Mt 26,48
2: Mt 27,35
3: vgl. Joh 13,29
4: Mt 27,3
5: Mt 27,4
6: ebd 27,5
7: Ps 108,1 f
8: vgl. Apg 1,15-16
9: Ps 108.8

 

 

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Vorbemerkung
Allgemeine Einleitung über Leben und Schriften des Origenes

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger