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Origenes († 253/54) - Ermahnung zum Martyrium (Exhortatio ad martyrium)

40.

Wenn aber jemand nachgibt, weil er zu sehr am Leben hängt oder den Drangsalen gegenüber zu [S. 200] weichlich ist oder sich durch die scheinbar überzeugenden Gründe derer, die uns überreden wollen, das Schlechtere zu wählen, zur Verleugnung des einen Gottes und seines Christus bestimmen läßt und Dämonen oder Glücksgöttinnen bekennt; ein solcher Mensch soll wissen, dass er, wenn er "dem Dämon einen Tisch" zurichtet und "der Glücksgöttin einen Mischtrank" kredenzt, "den Herrn im Stich läßt und seines heiligen Berges vergißt1", um dann diesen Prüfungen unterworfen zu sein, wie sie Jesaja folgendermaßen aufgezeichnet hat: "Ihr aber, die ihr mich im Stich gelassen habt und meines heiligen Berges vergesset und dem Dämon einen Tisch zurichtet und der Glücksgöttin einen Mischtrank kredenzt: euch werde ich dem Schwert überliefern, ihr alle werdet im Gemetzel niedersinken; denn ich rief euch und ihr antwortetet nicht, ich redete, und ihr überhörtet es und tatet das Böse vor mir, und was ich nicht wollte, das wähltet ihr euch aus. Deshalb spricht der Herr, der Herr also: siehe, die mir dienen, werden essen, ihr aber werdet hungern; siehe, die mir dienen, werden trinken, ihr aber werdet dürsten; siehe, die mir dienen, werden sich erfreuen, ihr aber werdet euch schämen müssen; siehe, die mir dienen, werden in Freude jubeln, ihr aber werdet vor Herzensweh schreien und in Geisteszerknirschung aufheulen. Denn zurücklassen werdet ihr meinen Namen zur Sättigung meinen Auserwählten, euch aber wird der Herr vernichten2." Aber wollten wir wirklich in der Erkenntnis, was "der Tisch des Herrn" ist, an ihm "teilnehmen", so laßt uns dieses Wort richtig verstehen: "Ihr könnt nicht an dem Tisch des Herrn und an dem Tisch der Dämonen (zugleich) teilnehmen3." Wenn wir ferner, mit der rechten Einsicht in die Bedeutung dieses Ausspruchs: "Von jetzt ab werde ich von dem Gewächs dieses Weinstocks nicht trinken bis zu jenem Tage, da ich es neu trinken werde in dem himmlischen Reiche4", im Kreise [S. 201] der Tischgenossen Jesu gefunden werden wollen, so laßt uns die Mahnung beherzigen: "Ihr könnt nicht den Kelch des Herrn und den Kelch der Dämonen (zugleich) trinken5."

Johannes, der "Donnersohn6" spricht: "Der den Vater und den Sohn verleugnet; jeder, der den Sohn verleugnet, hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, hat auch den Vater7." Wer dies vernimmt, wird der nicht fürchten müssen, durch die Aussage, er sei kein Christ "den Sohn zu verleugnen", bei dessen Verleugnung er "den Vater nicht haben wird"? Und wer möchte wohl nicht zu dem Bekenntnis des Christentums in Taten und Worten veranlaßt werden, damit er auch "den Vater habe"? Denn solche "Bekenner" haben den Vater.

1: Vgl. Is. 65,11 (Sprichw. 9,2).
2: Is. 65,11-15.
3: 1 Kor. 10,21.
4: Matth. 26,29.
5: 1 Kor. 10,21.
6: Vgl. Mark. 3,17.
7: 1 Joh. 2,22.23. Zu der Form des Zitats vgl. Or., In Joh. XIX 1 (Werke IV 299,4).

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung
Allgemeine Einleitung über Leben und Schriften des Origenes
Einleitung: Ermahnung zum Martyrium

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger