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Origenes († 253/54) - Ermahnung zum Martyrium (Exhortatio ad martyrium)

37.

Man soll also den Sohn Gottes weder verleugnen noch sich seiner oder seiner Jünger oder seiner Worte schämen, sondern auf dieses Wort hören: "Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den werde auch ich verleugnen vor meinem Vater in den Himmeln1", und auf dieses: "Denn wer sich meiner und der Meinigen2 schämt, dessen wird sich der Menschensohn schämen, sobald er kommt in seiner und des Vaters und der heiligen Engel Herrlichkeit3", und auch auf dieses : "Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt in dem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, sobald er kommt in der Herrlichkeit des Vaters mit den heiligen Engeln4".

Und wenn Jesus einst, "der Schmach nicht achtend, das Kreuz auf sich nahm5" und deshalb "sich zur [S. 196] Rechten Gottes gesetzt hat6", so werden auch seine Nachfolger "der Schmach nicht achtend" mit ihm zusammensitzen und zusammen regieren7 in den Himmeln, mit ihm, der gekommen ist, nicht "Frieden auf die Erde" zu bringen, sondern auf die Seelen seiner Jünger, und "ein Schwert zu werfen auf die Erde8". Denn da "das Wort Gottes lebendig und kräftig ist und schärfer schneidet als jedes zweischneidige Schwert und eindringt bis zu der Scheidung von Seele und Geist, von Gelenken und Mark, und fähig ist, zu richten Erwägungen und Gedanken des Herzens9", so gewährt dieses Wort besonders jetzt unsern Seelen als Kampfpreis "Frieden, der allen Verstand übersteigt10", Frieden, den es seinen Aposteln "gelassen hat11"; "ein Schwert" aber hat es geworfen zwischen "das Bild des Irdischen und das des Himmlischen12", damit es für jetzt den himmlischen Teil von uns empfange und uns später, wenn wir nicht (mehr) in zwei Teile gespalten zu werden verdienen, vollständig zu Himmlischen mache.

Und nicht allein "ein Schwert" kam er "auf die Erde" zu werfen13, sondern auch "Feuer", von dem er sagt: "Ich wollte, es wäre schon entzündet14." "Entzündet" werde demnach auch in euch dieses "Feuer", das alle eure irdischen und sinnlichen Gedanken vernichtet; und "der Taufe", nach der es Jesus "drängte bis sie vollendet war15", unterzieht euch jetzt mit aller Bereitwilligkeit. Und du16, der "ein Weib und Kinder und Brüder und Schwestern" hat, erinnere dich des Wortes: "Wenn jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater und seine Mutter und sein Weib und seine Kinder und seine Brüder und seine Schwestern, so kann er nicht mein Jünger sein17"; ihr beide18 aber erinnert euch dieses Wortes: "Wenn jemand zu mir kommt und haßt nicht" außer dem Erwähnten "auch noch sein [S. 197] eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein19." Aber "hasset euer eigenes Leben" so, dass es durch den Haß "für ewiges Leben bewahrt"; denn "wer sein eigenes Leben", sagt (die Schrift), "in dieser Welt haßt, bewahrt es für ewiges Leben20." Also "hasset dies Leben", um des "ewigen Lebens" willen, in der Überzeugung, dass Jesus einen Haß, der gut und nutzbringend ist, lehrt. Wie wir aber unser Leben dazu, dass es "für ewiges Leben bewahrt werde", hassen müssen, so mußt du21, der "ein Weib und Kinder und Brüder und Schwestern22" hat, sie hassen, damit du den Gehaßten Nutzen bringst; denn gerade durch deinen Haß ein Freund Gottes geworden, erlangst du die Freiheit, ihnen Gutes zu erweisen.

1: Matth. 10,33.
2: Matth. 10,33.
3: Hier (S. 34,13) fehlt λόγους, das oben (S. 31,10) dabei steht; vgl. E. Nestle, Einführung in das griech. N.T.2 S. 119, und E. Hautsch, Die Evangelienzitate des Orig. S. 108.
4: Mark. 8,38.
5: Vgl. Hebr. 12,2
6: Vgl. Hebr. 8,1.
7: Vgl. 2 Tim. 2,12.
8: Vgl. Matth. 10,34.
9: Hebr. 4,12.
10: Vgl. Phil. 4,7.
11: Vgl. Joh. 14,27.
12: Vgl. 1 Kor. 15,49.
13: Vgl. Matth. 10,34.
14: Luk. 12,49.
15: Vgl. Luk. 12,50.
16: D.h. Ambrosius
17: Luk. 14,26.
18: D.h. Ambrosius und Protokteus.
19: Luk. 14,26.
20: Joh. 12,25.
21: D.h. Ambrosius
22: Vgl. Luk. 14,26.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung
Allgemeine Einleitung über Leben und Schriften des Origenes
Einleitung: Ermahnung zum Martyrium

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger