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Origenes († 253/54) - Ermahnung zum Martyrium (Exhortatio ad martyrium)

12.

Auch dies müssen wir wissen, dass uns die so genannten Bündnisse1 mit Gott auf Grund von Vereinbarungen zuteil geworden sind, die wir bei Annahme des christlichen Lebens mit Gott getroffen haben. Und in eben diesen Vereinbarungen mit Gott war die ganze dem Evangelium gemäße Lebensweise (miteingeschlossen); dieses (aber) sagt: "Wenn jemand mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir nach. Denn wer seine Seele2 retten will, der wird sie verlieren; wer aber seine Seele verliert, um meinetwillen, der wird sie retten3." Oft aber sind wir mit größerer Begeisterung erfüllt worden, wenn wir auch dieses Wort vernahmen: "Denn was für Nutzen [S. 166] wird der Mensch haben, wenn er die ganze Welt gewinnt, an seiner Seele aber Schaden leidet? Oder was kann der Mensch zum Tausch geben für seine Seele? Denn des Menschen Sohn wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln kommen, und dann wird er einem jedem vergelten nach seinem Tun4."

Dass man aber "sich selbst verleugnen und sein Kreuz aufnehmen und Jesu nachfolgen müsse", das hat nicht nur Matthäus, dessen Worte wir angeführt haben, berichtet, sondern auch Lukas und Markus. Höre nämlich Lukas (so) reden: "Er sagte aber zu allen: wenn jemand mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir nach. Denn wer seine Seele retten will, der wird sie verlieren; wer aber seine Seele verliert um meinetwillen, der wird sie retten. Denn was für Nutzen hat ein Mensch, der die ganze Welt gewonnen, sich selbst aber verloren oder Schaden erlitten hat5?"(Höre) ferner Markus: "Und er rief das Volk mit seinen Jüngern herbei und sagte zu ihnen: wenn jemand mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir. Denn wer seine Seele retten will, wird sie verlieren, wer sie aber um des Evangeliums willen verliert, wird sie retten. Was aber wird es dem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewinnt und an seiner Seele Schaden leidet. Denn was kann der Mensch zum Tausch geben für seine Seele6?"

Schon längst sind wir also verpflichtet, uns selbst zu verleugnen und zu sprechen: "Ich lebe nicht mehr als ich selbst7"; jetzt aber soll es offenbar werden, ob wir "unser Kreuz" aufgenommen haben und Jesu "nachgefolgt sind"; das ist geschehen, wenn "in uns Christus lebt8". Wollen wir unsere "Seele retten, um sie besser denn als Seele9 zurück zu erhalten, so laßt sie uns [S. 167] gerade durch das Martyrium verlieren! Denn wenn wir sie verlieren um Christi willen, indem wir sie ihm in dem Tod, den wir seinetwegen erleiden, darbringen, so werden wir ihr das wahre Heil verschaffen; wenn aber das Gegenteil eintritt, so werden wir hören, dass es dem nichts "nützt", der "die ganze" sinnlich wahrnehmbare "Welt" durch sein eigenes Verderben oder durch seine eigene Schädigung "gewonnen hat10". Hat aber jemand einmal seine eigene Seele verloren oder an ihr Schaden gelitten, der wird auch nach dem Gewinn der ganzen Welt diese nicht "zum Tausch" geben können für die verlorene "Seele11". Denn die "nach dem Bilde Gottes12" geschaffene Seele ist wertvoller als alle Körper. Einer allein vermag (etwas) zum "Tausch" für unsere vorher "verlorene Seele" zu geben: er, der uns mit seinem eigenen "kostbaren Blut13" erkauft hat.

1: Vgl. Gal. 4,24.
2: Aus dem Ende des 12. Kapitels ist zu schließen, daß Origenes hier diese Bedeutung von ψυχὴ gemeint hat.
3: Matth. 16,24.25.
4: Matth. 16,26.27.
5: Luk. 9,23-25.
6: Mark. 8,34-37.
7: Gal. 2,20.
8: Vgl. Gal. 2,20.
9: D.h. als Geist (νοῦς), vgl. Or., De princ. II 8,3 (Werke V 155,13ff.).
10: Vgl. Luk. 9,25; Matth. 16,26; Mark. 8,36.
11: Vgl. Matth. 16,26; Mark. 8,37.
12: Vgl. Gen. 1,27.
13: Vgl. 1 Petr. 1,19.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung
Allgemeine Einleitung über Leben und Schriften des Origenes
Einleitung: Ermahnung zum Martyrium

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger