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Justin der Märtyrer († um 165) - Dialog mit dem Juden Trypho (Dialogus cum Tryphone)

95.

1. Jede Menschengeneration steht nämlich offenbar unter dem Fluche nach dem Gesetze des Moses. Denn es heißt 1: ‚Jeder ist verflucht, der nicht mit Ausdauer alles beobachtet, was im Buche des Gesetzes geschrieben steht.’ Es hat auch niemand alle Gebote genau beobachtet. Nicht einmal ihr werdet da zu widersprechen wagen. Es haben vielmehr die einen mehr, die anderen weniger die Gebote befolgt. Wenn es sich nun zeigt, daß diejenigen, welche unter diesem Gesetze sind, deshalb, weil sie nicht alles befolgt haben, unter dem Fluche stehen, wird es dann nicht selbstverständlich sein, daß noch vielmehr alle Heiden dem [S. 157] Fluche unterworfen sind, da sie Götzendienst, Knabenschänderei und die anderen Laster begehen? 2. Wenn nun der Vater aller wollte, daß sein Christus den Fluch aller aus Liebe zu den Menschen einer jeden Generation auf sich nehme, wenn er zugleich wußte, er werde ihn nach seinem Kreuzigungstode wieder auferwecken, warum redet ihr so, als wäre er, der dem Willen des Vaters entsprechend das Leiden auf sich nahm, verflucht worden? Warum klagt ihr nicht vielmehr über euch selbst?

Obschon nämlich der Vater Christi selbst Ursache dieses seines aus Liebe zum Menschengeschlecht ertragenen Leidens ist, habt ihr in dem, was ihr da getan habt 2 nicht dem Willen Gottes gedient, so wenig, als ihr ja auch mit der Ermordung der Propheten 3 eine fromme Tat vollbracht habt. 3. Es möge keiner von euch behaupten: Wir haben kein Unrecht getan, wenn es der Wille seines Vaters war, daß er solches erduldete, und daß durch seine Striemen das Menschengeschlecht geheilt werde! 4. Wenn ihr nun (von diesem Willen des Vaters) redet, aber eure Sünden bereut, erkennet, daß Jesus der Christus ist, und dessen Gebote befolget, dann werden, wie ich oben sagte 5, eure Sünden nachgelassen werden. 4. Wenn ihr jedoch Jesus selbst und die, welche an ihn glauben, verfluchet und sie tötet, sofern ihr die Macht dazu habet, soll dann nicht gerade dafür, daß ihr an Jesus Hand angelegt habt, von euch wegen eurer Ungerechtigkeit, Sündhaftigkeit, vollständigen Hartherzigkeit und Verständnislosigkeit Rechenschaft gefordert werden?

1: Deut. 27, 26; vgl. Gal. 3, 10.
2: d.i. durch die Kreuzigung
3: Matth. 23, 31; Luk. 13, 34.
4: Vgl. Is. 53, 5.
5: Vgl. 44, 4.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger