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Justin der Märtyrer († um 165) - Dialog mit dem Juden Trypho (Dialogus cum Tryphone)

88.

1. Bei uns kann man Frauen und Männer sehen, welche vom Geiste Gottes Charismen empfangen haben. Also nicht deshalb, weil Christus der Kraft bedurft hätte, war verkündet worden, daß die von Isaias aufgezählten Kräfte über ihn kommen werden, sondern deshalb, weil sie (für euch) aufhören sollten. Dies soll euch auch die erzählte 1 Ge schichte von den aus Arabien stammenden Magiern bezeugen, welche schon bei der Geburt des Kindes kamen, dasselbe anzubeten. 2. Bereits bei seiner Geburt erhielt er nämlich seine Kraft.

Er wuchs heran wie alle übrigen Menschen, lebte, wie es ihm entsprach, wies jeder Altersstufe zu, was ihr gehörte, bediente sich der verschiedenen Lebensmittel. Dreißig Jahr - oder mehr oder weniger - zählte er, da Johannes auftrat, der seine Ankunft verkündete und ihm auf dem Wege der Taufe voranschritt 2, wie ich oben gezeigt habe 3. 3. Als Jesus damals an den Jordan kam, wo Johannes taufte, und in das Wasser hinabstieg, flammte Feuer im Jordan auf 4, und als er dem Wasser entstieg, da flog, wie die Apostel eben dieses unseres Christus geschrieben haben 5, der Heilige Geist wie eine Taube auf ihn. 4. Wir wissen aber, daß er nicht deshalb, weil er der Taufe oder der Herabkunft des in Gestalt einer Taube erscheinenden Geistes bedurft hatte, zum Fluß gekommen war; er wollte ja auch nicht deshalb, weil er es notwendig gehabt hätte, geboren werden und am Kreuze sterben. Es war ihm vielmehr um das Menschengeschlecht zu tun, welches seit Adam dem Tode und dem Truge der Schlange verfallen [S. 147] war, da jeder sich selbst mit Schuld belud und sündigte. 5. Gott hat nämlich bei Erschaffung der Engel und Menschen gewollt, daß sie, ausgestattet mit freiem Willen und dem Selbstbestimmungsrecht, das tun, wozu er jeden einzelnen befähigt hat; er wollte sie, wenn sie sich für Gottes Willen entscheiden, vor Vergänglichkeit und Strafe bewahren, jedem dagegen nach seinem Gutdünken bestrafen, wenn sie sündigten. 6. Auch der Einzug in Jerusalem auf einem Esel gab nämlich, wie prophezeit worden war, und wie wir gezeigt haben 6, Jesus nicht die Kraft, Christus zu sein, sondern er gab den Menschen die Erkenntnis, daß Jesus der Christus ist. So mußte auch zur Zeit des Johannes den Menschen ein Zeichen gegeben werden, an dem sie erkannten, wer der Christus ist. 7. Als nämlich Johannes am Jordan war und die Taufe der Buße predigte, als er nur einen Ledergürtel und ein Gewand aus Kamelhaaren trug und nichts aß als Heuschrecken und wilden Honig 7, da meinte man, er sei Christus 8; doch er rief: ‚Nicht bin ich Christus, sondern die Stimme des Rufenden’ 9; es wird nämlich der kommen ‚der stärker ist als ich, und dessen Schuhe zu tragen ich nicht würdig bin’ 10. 8. Da kam an den Jordan Jesus, der als Sohn des Zimmermannes Joseph 11 galt, und der, wie es die Schriften verkündeten 12, ohne Herrlichkeit erschien und den man als Zimmermann ansah 13; (erstellte nämlich, als er unter den Menschen weilte, Zimmermannsarbeiten her, Pflüge und Joche 14, um zu lehren die Symbole der Gerechtigkeit und werktätiges Leben). Auf ihn nun flog - und zwar, wie gesagt, um der Menschen willen 15 - der Heilige Geist in Gestalt einer Taube, und zugleich kam [S. 148] eine Stimme vom Himmel, welche auch David erwähnt, wenn er im Namen Christi die Worte, von welchen dieser wollte, daß der Vater sie an ihn richte, spricht: ‚Mein Sohn bist du, heute habe ich dich erzeugt’ 16. Der Vater verkündete damals den Menschen die Geburt Christi, damit sie zu seiner Erkenntnis geführt würden.“

1: Vgl. 78, 9.
2: Vgl. Luk. 3, 23.
3: Vgl. 51, 2.
4: Diese Erscheinung ist erwähnt u.a. in Tatians Diatessaron und in einigen lateinischen Bibelahndschriften.
5: Vgl. Luk. 3, 21 f.; Matth. 3, 136.
6: Vgl. 53, 2.
7: Vgl. Matth. 3, 1-4; Mark. 1, 4-6; Luk. 3, 3.
8: Vgl. Luk. 3, 15.
9: Joh. 1, 20-23.
10: Vgl. Matth. 3, 11; Luk. 3, 16.
11: Luk. 33, 23.
12: Vgl. Is. 53, 2 f.
13: Vgl. Mark. 6, 3.
14: vgl. Ev. d. Thomas 13, 1
15: Vgl. 83, 4.
16: Ps. 2, 7 u. ebenso Luk. 3, 22 nach der Lesart des Cod. D und altlateinischer Handschriften.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger