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Justin der Märtyrer († um 165) - Dialog mit dem Juden Trypho (Dialogus cum Tryphone)

87.

1. Auf meine Worte entgegnete Tryphon: „Glaube nicht weiterhin, daß ich alle meine Fragen aufstelle, um zu versuchen, deine Antworten umzustürzen! Glaube mir: ich stelle diese Fragen vielmehr, weil ich belehrt werden möchte! 2. Da nun der Logos durch Isaias 1 sprach: ‚Ein Stab wird hervorgehen aus der Wurzel Jesse, und eine Blüte wird erstehen aus der Wurzel Jesse, und darauf wird ruhen der Geist Gottes, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Wissenschaft und Frömmigkeit, und der Geist der Furcht Gottes wird ihn erfüllen’, hast du mir“ - so sagte er - „bekannt 2, diese Worte seien auf Christus gesprochen; du sagst, er präexistiere als Gott und er sei nach dem Willen Gottes Fleisch geworden und durch die Jungfrau geboren worden. Erkläre mir nun, wie kann seine Präexistenz bewiesen werden, [S. 145] da er doch mit den Kräften des Heiligen Geistes, welche der Logos durch Isaias aufzählt, erfüllt wird, weil er derselben bedurfte!“

3. Ich gab zur Antwort: „Deine Frage ist sehr scharfsinnig und klug. Es scheint in der Tat eine Schwierigkeit vorzuliegen. Doch damit du erfährst, wie sich auch diese Sache verhält, höre auf meine Worte! Nicht deshalb sagt der Logos, die oben aufgezählten Kräfte des Geistes seien über Christus gekommen, weil dieser ihrer bedurfte, sondern weil sie auf diesem ruhen, das heißt in ihm ihr Ziel finden sollten, so daß es nicht mehr wie früher Propheten in eurem Volke gebe. Daß dies geschehen ist, könnt ihr mit eigenen Augen sehen; denn nach Christus ist bei euch kein einziger Prophet mehr aufgetreten. 4. Eure Propheten verdanken ihre auch uns aus der Schrift bekannten Werke und Worte den Kräften Gottes, von denen der eine diese, der andere eine andere erhalten hat! Höret nun, was ich noch dazu zu bemerken habe! Salomo empfing nämlich den Geist der Weisheit, Daniel den des Verstandes und Rates, Moses den der Stärke und Frömmigkeit, Elias den der Furcht und Isaias den der Wissenschaft. Auch von den übrigen Propheten erhielt jeder eine oder auch zwei Gaben, so Jeremias, die zwölf Propheten, David und alle anderen Propheten, die bei euch aufgetreten sind. 5. Die Geistesgaben ruhten nun, das heißt sie hörten auf, sobald jener kam, nach welchem sie infolge dieses unter den Seinigen in der Zeit verwirklichten Heilsplanes bei euch aufhören mußten, um in ihm ruhend gemäß der Prophezeiung zu Geschenken zu werden, welche er an jeden Christgläubigen, den er für würdig hält, erteilt durch die Güte jenes mächtigen Geistes. 6. Daß es nun prophezeit worden war, er werde nach seiner Himmelfahrt so handeln, habe ich bereits gesagt 3, und ich wiederhole es. Der Logos sagte 4: ‚Er stieg in die Höhe, nahm gefangen die Gefangenschaft, gab Geschenke den Söhnen der Menschen.’ Und in einer anderen Prophezeiung heißt [S. 146] es 5: ‚Hierauf werde ich ausgießen meinen Geist über alles Fleisch, über meine Diener und Dienerinnen, und sie werden prophezeien.’

1: 11,1-3. Der nun folgende Exkurs 87,1 – 88,8 ist veranlaßt durch Justins Zitierung von Is. 11,1 in 86,4.
2: Vgl. 86, 4.
3: Vgl. 39, 2.
4: Ps. 67, 18; vgl. Eph. 4, 8.
5: Joel 2, 28f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger