Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Justin der Märtyrer († um 165) - Dialog mit dem Juden Trypho (Dialogus cum Tryphone)

76.

1. Weist denn Daniel nicht gerade darauf hin, wenn er von dem, der die ewige Herrschaft empfängt, sagt, er sei ‚wie eines Menschen Sohn’? 1. Das Wort ‚wie eines Menschen Sohn’ bezeichnet nämlich zwar einen Menschen, der erscheint und geworden ist, gibt aber zu erkennen, daß er nicht aus menschlichem Samen stamme.

Und wenn es heißt, er sei ein Stein, der sich ohne menschliches Zutun losgerissen habe 2, so hat Daniel damit das gleiche Geheimnis verkündet. Denn durch die Erklärung, ohne menschliches Zutun habe er sich losgerissen, ist geoffenbart, daß er nicht von Menschen gebildet ist, sondern durch den Willen Gottes, des Vaters aller, der ihn ins Dasein gerufen hat.

2. Und wenn Isaias sagte: ‚Wer wird sein Geschlecht zählen?’ 3, so offenbarte er, daß sein Geschlecht nicht gezählt werden könne; denn das Geschlecht eines [S. 124] jeden, der Mensch von Menschen ist, kann gezählt werden.

Ferner wenn Moses behauptete, Christus werde sein Gewand im Blute der Traube waschen 4, hat er damit nicht, wie ich schon wiederholt 5 euch erklärte, eine geheimnisvolle Prophezeiung gegeben und vorherverkündet, Christus habe Blut, jedoch nicht von Menschen, gleichwie die Traube, deren Blut nicht ein Mensch, sondern Gott gebildet hat?

3. Wenn Isaias 6 ihn einen Engel des großen Rates genannt hat, hat er damit nicht vorausverkündet, daß er der Lehrer jener Wahrheit werde, die er bei seinem Auftreten gepredigt hat? Das Große nämlich, das der Vater sowohl über all die Menschen beschlossen hatte, welche sein Wohlgefallen gefunden haben und noch finden werden, als auch über die Menschen und Engel, welche von seinem Willen sich abgewendet haben, wurde von ihm allein unverhüllt gepredigt. Denn er lehrte 7: 4. ‚Von Osten und Westen werden sie kommen und werden mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreiche zu Tische sitzen; die Kinder des Reiches aber werden hinausgeworfen in die Finsternis draußen.’ 5. Und er sagte 8: ‚Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr, haben wir nicht auf deinen Namen hin gegessen und getrunken, gepredigt und Teufel ausgetrieben? Ich werde ihnen antworten: Weichet von mir!’ An anderer Stelle 9, wo er beabsichtigt, die des Heiles Unwürdigen zu verurteilen, wies er hin auf die Worte, die er sprechen wird: ‚Gehet hin in die Finsternis draußen, welche der Vater dem Satan und seinen Engeln bereitet hat!’ 6. Wiederum an anderer Stelle sagte er 10: ‚Euch gebe ich die Gewalt, Schlangen, Skorpionen, [S. 125] Skolopender und jegliche Macht des Feindes niederzutreten.’ Und uns, die wir an unseren unter Pontius Pilatus gekreuzigten Herrn Jesus glauben, sind jetzt alle Dämonen und die bösen Geister auf unsere Beschwörung hin untertan. Wenn nämlich auch die Propheten in geheimnisvoller Weise verkündet haben, daß Christus leiden und nach dem Leiden über alles herrschen werde, so konnte nun doch niemand Christus erkennen, so lange er nicht selbst seine Apostel überzeugt hatte 11, daß dies ausdrücklich in den Schriften verkündet worden war. 7. Denn vor seiner Kreuzigung hat er deutlich erklärt 12: ‚Der Sohn des Menschen muß viel leiden, von den Schriftgelehrten und Pharisäern verworfen werden, gekreuzigt werden und am dritten Tage wieder auferstehen.’

David aber verkündete, daß er vor Sonne und Mond gemäß dem Willen des Vaters aus dem Schoße werde geboren werden 13, und offenbarte, daß er Christus sei 14 und ein starker Gott 15, und daß er angebetet werde 16.“

1: 7, 13 f.; vgl. oben 31, 1.
2: Dan. 2, 34; vgl. oben 70, 1.
3: 53, 8; vgl. oben 43, 3; 63, 2.
4: Gen. 49, 11.
5: Vgl. 54, 1-2; 63, 2.
6: 9, 6.
7: Matth. 8, 11f.
8: Dieses Logion ist, wie vermutet wird, eine Zusammenstellung von Matth. 7,22 f. u. Luk. 13,26; vgl. Justin I. Apol. 16.
9: Vgl. Matth. 25, 41.
10: Vgl. Luk. 10, 19.
11: Justin beweist immer noch, daß Christus der Engel des großen Rates ist. Vgl. Luk. 24,45 f.
12: Mark. 8, 31; Luk. 9, 22.
13: Ps. 109, 3; 71, 5. 17. vgl. Kap 45, 4; 63, 3.
14: Ps. 44, 8; vgl. oben 63, 5.
15: Ps. 18, 6; vgl. oben 64, 8.
16: Ps. 44, 13; 71, 11; vgl. oben 63, 5.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung

Navigation
. . Mehr
. . 68.
. . 69.
. . 70.
. . 71.
. . 72.
. . 73.
. . 74.
. . 75.
. . 76.
. . 77.
. . 78.
. . 79.
. . 80.
. . 81.
. . 82.
. . 83.
. . 84.
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger