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Justin der Märtyrer († um 165) - Dialog mit dem Juden Trypho (Dialogus cum Tryphone)

8.

1. Nachdem der Greis dies und noch vieles andere, was zu erzählen jetzt nicht Zeit ist, gesagt hatte, ging er fort mit der Bitte, ich möchte seine Worte [S. 13] befolgen. Ich habe ihn nicht mehr gesehen. In meiner Seele aber fing es sofort an zu brennen, und es erfaßte mich die Liebe zu den Propheten und jenen Männern, welche die Freunde Christi sind. Ich dachte bei mir über die Lehren des Mannes nach und fand darin die allein verlässige und nutzenbringende Philosophie. 2. Dies ist der Weg und dies sind die Gründe, welche mich zum Philosophen gemacht haben. Ich hätte den Wunsch, daß alle vom gleichen Eifer wie ich beseelt wären und keiner von den Lehren des Erlösers sich abwenden möchte. Diese haben nämlich etwas Furchtbares an sich, da sie die, welche vom rechten Wege abweichen, zu schrecken vermögen; dagegen wird angenehmste Erholung denen, welche sich in sie vertiefen.

Wenn nun auch dir an dir selbst etwas gelegen ist, du nach Erlösung verlangst und dein Vertrauen auf Gott setzest, so brauchst du, zumal du kein Fremdling auf diesem Gebiete bist, nur den von Gott gesandten Christus anzuerkennen und sittlich tadellos zu sein, um das Glück zu haben.“3. Mein bester Freund! 1 Auf diese meine Worte fingen die Begleiter des Tryphon laut zu lachen an, während er selbst nur leise lächelte und sagt: „Einen Teil deiner Erklärungen nehme ich an, und ich freue mich an deinem Eifer für das Göttliche. Aber daß du dich an die Philosophie Platos oder eines anderen unter gleichzeitiger Übung von Selbstüberwindung, Enthaltsamkeit und Mäßigkeit angeschlossen hast, war immer noch besser, als daß du dich durch falsche Lehren täuschen läßt und nichtswürdigen Männern Folge leistest. Denn solange du dich an jene Art von Philosophie hieltest und ein unbescholtenes Leben führtest, blieb dir noch die Hoffnung auf ein besseres Schicksal. Aber welches ist das Heil, das dir noch bleibt, da du Gott verlassen und auf einen Menschen deine Hoffnung gesetzt hast? 4. Wenn du nun mir Gehör schenken willst - als Freund sehe ich dich ja bereits an -, lasse dich vor allem beschneiden, sodann beobachte, wie es Brauch ist, den Sabbat, die Feste und Neumonde Gottes, tue [S. 14] überhaupt alles, was im Gesetz geschrieben steht! Dann wird dir Gott gewiß gnädig sein. Vorausgesetzt daß Christus irgendwo geboren ist und irgendwo lebt, so ist er doch so lange nicht erkennbar, erkennt auch sich selbst so lange nicht und hat so lange keine Macht, bis Elias erscheint, ihn salbt und aller Welt kundmacht. Ihr habt eine törichte Lehre angenommen, macht euch selbst einen Christus und geht darum jetzt in eurem Leichtsinn zugrunde.“

1: = Marcus Pompeius, dem der Dialog gewidmet ist.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger