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Justin der Märtyrer († um 165) - Dialog mit dem Juden Trypho (Dialogus cum Tryphone)

70.

[S. 116] 1. Wenn die Lehrer der Mithra Mysterien behaupten 1, Mithra sei aus einem Stein geworden, wenn sie den Ort, an dem die Mithra-Verehrer eingeweiht werden sollen, Höhle nennen 2, soll ich da keine Nachahmung des Daniel-Wortes 3erkennen: ‚Ein Stein riß sich ohne menschliches Zutun vom großen Berge los’ und ebenso eine Nachahmung dessen, was Isaias 4 sagt? Sie wagten es sogar, lauter Isaias-Worte zu entlehnen. Sie haben es nämlich fertig gebracht, Worte der Gerechtigkeit im Munde zu führen. 2. Es ist notwendig, daß ich euch die Worte des Isaias zitiere, damit ihr aus denselben den Sachverhalt erkennet. Sie lauten 5: „Höret, die ihr in der Ferne seid, was ich getan habe! Wer sich naht, wird erkennen meine Macht. Wer sündigt in Sion, ist abgefallen. Zittern wird die Gottlosen erfassen. Wer wird euch verkünden den ewigen Ort? Wer in Gerechtigkeit wandelt, vom rechten Wege spricht, Gesetzlosigkeit und Unrecht haßt, seine Hand rein hält von Geschenken, sein Ohr verstopft, um nicht ungerechtes Bluturteil zu hören, und seine Augen schließt, um nicht Unrecht zu sehen, der wird wohnen in der hohen Höhle eines starken Felsen. 3. Ihm wird Brot gegeben werden, und sein Wasser geht nicht aus. Ihr werdet den König in seiner Herrlichkeit schauen, und eure Augen werden schauen von ferne. Eure Seele wird denken an die Furcht des Herrn. Wo ist der Schriftverständige? Wo sind die Ratgeber? Wo zählt einer auf die, welche ernährt werden, ein kleines und großes Volk? Nicht haben sie ihn um Rat gefragt, und nicht verstanden sie die Schwere der Worte, so daß sie nicht darauf hörten. Ein lasterhaftes Volk! Es hört und hat kein Verständnis.’ 4. Deutlich spricht er nun in dieser Prophetie einerseits von dem [S. 117] Brote, welches unser Christus uns gegeben hat zur Erinnerung daran, daß er Fleisch geworden ist um seiner Gläubigen willen, deretwegen er auch gelitten hat; deutlich spricht er in dieser Prophetie andererseits von dem Kelche, welchen er in der Eucharistie uns gegeben hat zur Erinnerung an sein Blut 6. Auch das offenbart diese Prophetie, daß wir eben Jesus als einen König, von Herrlichkeit umgeben, sehen werden 7. 5. Daß man von dem Volke, dessen Christus-Glaube vorhererkannt worden ist, vorherwußte, es werde an die Furcht des Herrn denken, verkünden ebenfalls diese Worte der Prophetie. Desgleichen haben diese Schriftstellen kundgetan, daß diejenigen, von welchen man glaubt, sie verstehen, was in der Schrift geschrieben steht, und diejenigen, welche die Prophezeiungen hören, kein Verständnis haben.

Wenn ich, o Tryphon“, fuhr ich fort, „von Perseus 8höre, er sei von einer Jungfrau geboren worden, dann weiß ich, daß auch diese Erzählung eine Nachäffung durch die trügerische Schlange ist.

1: Vgl. Justin, I. Apol. 66,4.
2: An Stelle der in ältester Zeit als ithra-Kultstätten dienenden Berghöhlen waren in den römischen Städten unterirdische Gewölbe (spalaea) getreten. Vgl. z.B. das Mithraeum von San Clemete in Rom.
3: 2, 34.
4: Vgl. Is. 33, 16.
5: 33, 13-19.
6: Vgl. Luk. 22, 19; 1Kor. 11, 24.
7: Justin stellt die christliche Feier der Eucharistie dem Brauche der Mithra-Verehrer entgegen, bei den Weihen eines neuen Jüngers Brot und einen Becher Wasser vorzusetzen. Von der Herrlichkeit des messianischen Königs spricht er wohl, da Mithra als Sonnengott galt. Justin setzt voraus, daß die Lehren der Mithrareligion allgemein bekannt sind.
8: Vgl. 67, 2.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger