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Justin der Märtyrer († um 165) - Dialog mit dem Juden Trypho (Dialogus cum Tryphone)

63.

1. Tryphon: „Mein Freund! Du hast viele starke Beweise für deine These. Es erübrigt nun der Nachweis, daß dieser Gott es auf sich nahm, durch die Jungfrau gemäß dem Willen seines Vaters als Mensch geboren zu werden, sich kreuzigen zu lassen und zu sterben. Beweise aber auch, daß er sodann auferstanden und in den Himmel aufgefahren ist!“

2. Ich antwortete: „Ihr Männer, bereits wäre der Beweis auch hierfür von mir erbracht in den oben [S. 102] zitierten Worten der Prophetien. Euretwegen werde ich sie noch einmal erwähnen und sie erklären, um zu versuchen, euch auch in dieser Beziehung auf meine Seite zu bringen. Wenn nun Isaias sagte 1: ‚Wer wird sein Geschlecht aufzählen? Denn von der Erde ist sein Leben entrückt’, glaubst du nicht, das heiße: der, von dem Gott gesagt hat, daß er um der Sünden des Volkes willen in den Tod hingegeben worden ist 2, stammt nicht von Menschen ab? Da er sein Blut nicht durch menschlichen Samen, sondern durch den Willen Gottes empfing, so sagte von demselben - wie oben erwähnt 3 - Moses 4 in einem Bilde, er würde im Blute der Traube sein Gewand waschen. 3. Und wenn David erklärte 5: ‚Im Glanze deiner Heiligen habe ich dich aus dem Schoße vor Luzifer erzeugt. Der Herr hat es geschworen, und nicht wird er es bereuen: Du bist der Priester ewig nach der Ordnung des Melchisedech’, deutet er euch nicht an, daß Gott, der Vater des Weltalls, von ihm wollte, daß er in der Vorzeit 6 und von menschlichem Schoße geboren werde? 4. Und an anderer ebenfalls bereits oben zitierten Stelle sagte er 7: ‚Dein Thron, o Gott, ist in Ewigkeit der Ewigkeit. Ein Szepter der Gerechtigkeit ist das Szepter Deines Reiches. Du liebst Gerechtigkeit und hassest das Unrecht; darum hat Dich, o Gott, Dein Gott mit Öl der Freude zur Auszeichnung vor Deinen Genossen gesalbt. Myrrhe, Aloe und Kasia strömen aus von Deinen Gewändern, aus Elfenbeinpalästen, aus welchen Dich Königstöchter erfreuen in Deiner Majestät. Die Königin steht zu Deiner Rechten im golddurchwirkten Gewande, in bunter Pracht. Höre Tochter, sieh und leihe mir dein Ohr und vergiß dein Volk und das Haus deines Vaters! Der König begehrt nach deiner Schönheit; denn er ist dein Herr, und du sollst ihn anbeten.’ 5. Ausdrücklich erklären nun auch diese Worte, [S. 103] daß er angebetet wird und daß er von dem Weltschöpfer als Gott und Christus (Gesalbter) bezeugt wird. Daß der Logos Gottes seine Gläubigen, welche eine Seele, eine Versammlung, eine Gemeinde bilden, die Gemeinde, welche aus seinem Namen geworden ist und seinen Namen erhielt - denn Christen werden wir alle genannt, - als Tochter anredet, verkünden die Worte ebenfalls deutlich; auch lehren sie uns, wir sollen die alten väterlichen Bräuche vergessen. Denn sie lauten: ‚Höre, Tochter, sieh und leihe mir dein Ohr und vergiß dein Volk und das Haus deines Vaters! Der König begehrt nach deiner Schönheit; denn er ist dein Herr, und du sollst ihn anbeten.’“

1: 53, 8.
2: Is. 53, 5.
3: 54, 1 f.
4: Gen. 49, 11.
5: Ps. 109, 3 f.
6: ἄνωθεν
7: Ps. 44, 713; vgl. Dial. 38, 4; 56, 14.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger