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Justin der Märtyrer († um 165) - Dialog mit dem Juden Trypho (Dialogus cum Tryphone)

62.

1. Das gleiche, meine Freunde, hat der Logos Gottes auch durch Moses gesagt; denn durch ihn tut er uns kund, daß Gott, den er geoffenbart hat, diese [S. 100] gleiche Lehre bei der Erschaffung des Menschen ausdrückt. Er sagt 1: ‚Lasset uns den Menschen machen nach unserem Bilde und Gleichnisse! Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres, die Vögel des Himmels, das Vieh, die ganze Erde und über alles, was kriecht auf der Erde. Und Gott schuf den Menschen, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn; als Mann und Weib schuf er sie. Und Gott segnete sie und sprach: Wachset und mehret euch und füllet die Erde und beherrschet sie!’ 2. Damit ihr nicht die zitierten Worte verdrehet und gleich euren Lehrern behauptet, entweder habe Gott zu sich selbst gesagt „lasset uns machen“, wie auch wir oft, wenn wir etwas tun wollen, zu uns selbst sagen ‚lasset uns machen’, oder es habe Gott zu den Elementen, das ist zur Erde und ebenso zu den übrigen Elementen, aus welchen bekanntlich der Mensch gebildet worden ist, gesagt ‚lasset uns machen’, so will ich noch andere Worte des Moses anführen, aus denen wir mit Sicherheit erkennen können, daß Gott zu jemandem gesprochen hat, der als verschieden von ihm eigens gezählt wird, und der mit Vernunft ausgestattet ist 2. 3. Die Worte lauten 3: „Gott sprach: Siehe, Adam ist geworden wie einer von uns, so daß er erkennt das Gute und das Böse.“ Wenn er nun sagte ‚wie einer von uns’, dann hat er eine Mehrzahl von solchen angegeben, die beisammen waren, und hat zum mindesten von zweien gesprochen. Nicht möchte ich die Lehre eurer sogenannten Häresie für Wahrheit erklären. Oder können die Lehrer dieser Häresie beweisen, daß Gott zu Engeln sprach 4, oder daß der menschliche Körper ein Werk von Engeln war? 4. Vielmehr war der, welcher in der Tat vom Vater ausgegangen und vor allen Geschöpfen erzeugt war, bei dem Vater 5, und zu ihm [S. 101] spricht der Vater, wie der Logos durch Salomo geoffenbart hat 6; denn eben er ist es, welcher der Anfang vor allen Geschöpfen war, vom Vater erzeugt worden war und von Salomo Weisheit genannt wird. Eben dieser ist es auch, der in der Offenbarung gesprochen hat 7, denn eben er ist es auch, der in der Offenbarung gesprochen hat, welche dem Josua dem Sohne des Nave, zuteil geworden ist. Höret nur auch auf die Worte im Buche Josua, damit euch auch hieraus meine Erklärung verständlich werde! 5. Dieselben lauten 8: ‚Da Josua in Jericho war, erhebt er seine Augen und sieht einen Menschen vor sich stehen. Josua trat vor ihn hin und fragte ihn: Gehörst du zu uns oder zu den Gegnern? Er antwortete ihm: Ich bin der erste Feldherr im Heere des Herrn; jetzt bin ich gekommen. Josua fiel auf das Angesicht zur Erde und sprach zu ihm: O Herr, was gebietest du deinem Diener? Der erste Feldherr des Herrn entgegnete Josua: Ziehe aus die Schuhe deiner Füße; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden! Und Jericho war geschlossen und befestigt, und niemand verließ es. Der Herr sprach zu Josua: Siehe, ich gebe Jericho in deine Hände, sowie dessen König und die streitbaren Männer.’“

1: Gen. 1, 26-28.
2: d.h. der, zu welchem Gott bei der Erschaffung des Menschen gesprochen hat, ist ein persönliches Wesen.
3: Gen. 3, 22.
4: Nach Philo, Über die Erschaffung der Welt 24 (Cohn u. Wendland I. S. 25) bediente sich Gott der Engel bei der Erschaffung des Menschen.
5: Nämlich als der Vater sprach: „Laßt uns den Menschen machen!“
6: Sprichw. 8, 21 ff.
7: Ich lese εἰπὸν τοῦτο αὐτό. Der überlieferte Text εἰπὸν τοῦτο αὐτό εἰπόντος mag durch Mißverständnis beim Diktieren entstanden sein. v. Otto, Archambault, Goodspeed u.a. behalten εἰπόντος bei und beziehen dieses Partizip auf den weiter oben stehenden Gen. θεοῦ. Allein es ist ja nicht Gott der Vater, der nach Justin sich dem Josua offenbart und sich als „ersten Feldherrn“ bezeichnet hat, sondern der Logos. Vgl. 34,2; 61,1.
8: 5, 13 - 6, 2.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger