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Justin der Märtyrer († um 165) - Dialog mit dem Juden Trypho (Dialogus cum Tryphone)

60.

1. Tryphon wandte ein: „Nicht das erschließen wir aus den vorerwähnten Worten, sondern daß der, welcher in der Feuerflamme erschien, ein Engel war 1, der dagegen, welcher zu Moses sprach, Gott, so daß bei jener Erscheinung ein Engel und Gott, beide zugleich, zugegen waren.“

2. Ich erwiderte: „Meine Freunde, wenn es auch damals zutraf, daß bei der Erscheinung, die Moses hatte, ein Engel und Gott zugleich zugegen waren, wie auch der vorhin erwähnte Text euch dargetan hat, so wird doch nicht der Gott, welcher zu Moses sprach, er sei der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, der Weltschöpfer sein, sondern es ist damit der gemeint, welcher, wie euch gezeigt wurde, dem Abraham und Jakob erschienen ist, welcher dem Willen des Weltschöpfers dient und beim Strafgericht über [S. 97] Sodoma auch dessen Willen ausgeführt hat. Wenn es also auch, wie ihr behauptet, zwei waren, ein Engel und Gott, so wird doch gar niemand, auch der nicht, welcher nur ein bißchen Verstand besitzt, zu erklären wagen, der Schöpfer und Vater des Weltalls habe alles, was über dem Himmel ist, verlassen und sei in einem kleinen Winkel des Erde erschienen.“

3. Tryphon: „Es ist bereits weiter oben bewiesen worden, daß der Gott, welcher dem Abraham erschien, und welcher als Herr bezeichnet worden war 2, über das Land von Sodoma das bestimmte Schicksal verhängte, nachdem er dazu von dem Herrn, der im Himmel wohnt, den Auftrag erhalten hatte. Daher werden wir auch jetzt einsehen, daß, obwohl neben dem vor Moses erschienenen Gott ein Engel gewesen war, der Gott, welcher aus dem Dornstrauch zu Moses sprach, nicht Gott, der Weltschöpfer, gewesen ist 3, sondern jener, der, wie sich uns zeigte, dem Abraham, Isaak und Jakob sich geoffenbart hatte. Er wird Engel des Weltschöpfer-Gottes genannt und wird auch als solcher erkannt, da er die Meldungen vom Vater und Schöpfer aller Menschen überbringt.“

4. Ich entgegnete: „Tryphon, ich werde nunmehr zeigen, daß bei der Erscheinung, welche Moses hatte, der, welcher Engel genannt wird, und der, welcher Gott ist, der, welcher dem Moses erschien, und der, welcher mit ihm sprach, ein und dieselbe Person ist. Denn der Logos erklärte also 4: ‚Es erschien ihm aber ein Engel des Herrn im Feuer der Flamme aus dem Dornstrauch. Er sieht, daß der Dornstrauch im Feuer brennt, ohne zu verbrennen. Moses sprach: Ich will gehen und diese großartige Erscheinung sehen; denn der Dornstrauch verbrennt nicht. Als aber der Herr sah, daß er kommt, um zu schauen, da rief ihn der Herr vom Dornstrauch aus.’ 5. Ebenso wie nun der Logos den, der dem Jakob [S. 98] im Traume erschien, einen Engel nennt und dann von eben dem Engel, der im Traume erschien, berichtete, daß er zu Jakob gesagt habe 5: ‚Ich bin der Gott, der dir erschien bei der Flucht vor deinem Bruder Esau’, und von ihm erzählte, daß er zur Zeit des Abraham beim Strafgerichte über Sodoma als Herr vom Herrn in den Himmeln die Strafe verhängt habe, ebenso gibt der Logos auch hier durch die Erwähnung, der Engel des Herrn sei dem Moses erschienen, und dann durch die Bemerkung, derselbe sei Herr und Gott, die Erklärung, er sei der gleiche von dem er in den vielen erwähnten Zitaten kundtut, daß er dem Gott, der über der Welt ist, und über dem es keinen anderen Gott gibt, zu Diensten stehe.

1: Vgl. Apg 7, 30.
2: Vgl. oben 56, 15. 22.
3: d.h.: wenn auch der, welcher in der Feuerflamme erschien, ein Engel, also Gottes Diener war, so ist doch der Gott, welcher aus dem Dornbusch sprach, auch als Diener des höchsten Gottes anzusehen.
4: Exod. 3, 24.
5: Vgl. Gen. 31, 13; 35, 17.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger