Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Justin der Märtyrer († um 165) - Dialog mit dem Juden Trypho (Dialogus cum Tryphone)

49.

1. Tryphon versetzte: „Wer behauptet, er sei Mensch geworden, dann, weil die Wahl ihn traf, [S. 74] gesalbt und so zu Christus geworden, dessen Rede überzeugt, wie mir scheint, mehr, als wenn ihr so redet, wie du es tust. Wir alle erwarten nämlich in Christus einen Menschen von Menschen, den nach seiner Ankunft Elias salbt. Wenn er aber auch als Christus erscheint, muß man ihn auf jeden Fall als einen Menschen von Menschen erklären. Da jedoch Elias nicht erschienen ist, erkläre ich, daß auch Christus nicht da ist.“

2. Ich wiederum fragte ihn: „Sagt denn nicht der Logos durch Zacharias 1, daß Elias kommen wird ‚vor diesem großen und furchtbaren Tage des Herrn’?“ Jener antwortete: „Ganz gewiß.“ „Wenn der Logos uns nun zwingt, zu bekennen, daß zwei Parusien Christi prophezeit wurden, und daß Christus bei der einen leidensfähig, ohne Ehre und Schönheit erscheinen 2, bei der anderen in Herrlichkeit als Weltenrichter kommen wird 3, wie auch im vorhergehenden wiederholt dargetan ist, werden wir dann nicht annehmen, der Logos Gottes habe den Elias als Vorläufer des ‚furchtbaren und großen Tages’ verkündet, der mit seiner zweiten Parusie anbricht?“ „Sicherlich!“ antwortete er.

3. Ich führte aus: „Daß nun dem so sein wird, tat auch unser Herr in seinen Lehren kund, indem er erklärte, auch Elias werde kommen 4. Es wird, wie wir wissen, geschehen, wenn unser Herr Jesus Christus in Herrlichkeit von den Himmeln kommen wird. Seiner ersten Parusie ging als Herold Johannes vorher; denn in ihm offenbarte sich der Geist Gottes, der in Elias gewesen war. Es ist der Johannes, der in eurem Volke ein Prophet war, der, nach dem kein anderer mehr bei euch als Prophet auftrat, und der am Jordan sich aufhielt und rief 5: ‚Ich taufe euch im Wasser zur Buße; es wird aber der kommen, der stärker ist als ich, und dessen Schuhe zu tragen ich nicht würdig bin; er wird euch taufen im Heiligen Geiste und in Feuer. Seine [S. 75] Wurfschaufel ist in seiner Hand, er wird seine Tenne säubern, den Weizen wird er sammeln in die Scheune, die Spreu aber wird er verbrennen in unauslöschlichem Feuer.’ 4. Euer König Herodes hatte eben diesen Propheten einkerkern lassen. Als nun an seinem Geburtstage seine Nichte tanzte und sein Wohlgefallen weckte, sagte er zu ihr, sie solle verlangen, was sie wolle. Die Mutter des Mädchens drang in sie, das Haupt des eingekerkerten Johannes zu fordern. Auf ihr Verlangen schickte er hin und ließ auf einem Teller das Haupt des Johannes bringen 6. 5. Daher hatte auch unser Christus seinerzeit, als er auf Erden weilte, auf die Bemerkung, Elias müsse vor Christus kommen, geantwortet 7: ‚Elias wird zwar kommen und alles wieder herstellen; ich sage euch aber: Elias ist schon gekommen, und sie erkannten ihn nicht an, sondern taten mit ihm, was sie nur wollten.’ Und es ist geschrieben 8: ‚Da verstanden die Jünger, daß er zu ihnen von Johannes, dem Täufer, sprach’.“

6. Tryphon wandte ein: „Widersinnig scheint es mir auch zu sein, wenn du sagst, daß der prophetische Geist Gottes, der in Elias war, auch in Johannes lebte.“

Ich antwortete darauf: „Beobachtest du nicht dasselbe an Jesus (Josua), dem Sohne des Nave, da er dem Moses in der Führung des Volkes nachfolgte? Damals gab Gott selbst dem Moses den Auftrag, dem Jesus die Hand aufzulegen, und sprach: ‚Von dem Geiste, der in dir ist, will ich auf ihn legen’ 9

7. Jener antwortete: „Das ist ganz richtig.“ „Wie nun“, fahre ich fort, „Gott damals, als Moses noch unter den Menschen weilte, von dem in diesem wohnenden Geiste an Jesus (Josua) gab, so konnte ihn Gott auch von Elias auf Johannes übergehen lassen. Man sollte erkennen, daß, gleichwie Christus bei der ersten Parusie ohne Herrlichkeit erschien, ebenso auch [S. 76] die erste Parusie des Geistes - wie die Christi - ohne Herrlichkeit war, wenngleich der Geist in Elias stets rein blieb. 8. Vom Herrn heißt es nämlich, daß er ‚mit verborgener Hand’ Amalek bekämpfe 10; daß Amalek gefallen ist, werdet ihr nicht leugnen. Wenn man aber sagt, daß Amalek nur bei der glorreichen Parusie Christi bekämpft werden wird, was soll dann das Wort bedeuten: ‚Mit verborgener Hand bekämpft Gott Amalek’? Ihr könnt erkennen, daß der gekreuzigte Christus die geheime Macht Gottes besitzt; vor ihm erschrecken die Dämonen und überhaupt sämtliche Kräfte und Mächte der Erde.“

1: Vgl. Mal. 4, 5.
2: Vgl. Is. 53, 2.3.
3: Vgl. Dan. 7, 26.27.
4: Vgl. Matth. 17, 11.
5: Matth. 3, 11.12; Luk. 3, 16.
6: Matth. 14, 3-11; Mark. 6, 17-28; Luk. 3, 20.
7: Matth. 17, 11. 12.
8: Ebd. 17, 13.
9: Justin verbindet das, was Num. 27, 18 u. Deut. 34, 9 über Josua berichtet ist, mit dem, was Num. 11, 17 über die 70 Ältesten erzählt wird..
10: Exod. 17, 16.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung

Navigation
. . Mehr
. . 41.
. . 42.
. . 43.
. . 44.
. . 45.
. . 46.
. . 47.
. . 48.
. . 49.
. . 50.
. . 51.
. . 52.
. . 53.
. . 54.
. . 55.
. . 56.
. . 57.
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger