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Justin der Märtyrer († um 165) - Dialog mit dem Juden Trypho (Dialogus cum Tryphone)

47.

1. Tryphon fragte: „Wird jedoch einer das Heil erlangen, wenn er den dargelegten Sachverhalt kennt, weiß, daß Jesus der Christus ist, das ist an Christus glaubt und ihm folgt, aber daneben noch die genannten Gebote beobachten will?“

[S. 71] Ich antworte: „Nach meiner Meinung, Tryphon, wird er das Heil erlangen, wenn er nicht seine Mitmenschen, das sind die Heiden, welche Christus beschnitten und vom Irrtum befreit hat, auf jede Art zur Beobachtung der gleichen Vorschriften zu bewegen sucht, welche er selbst einhält; er wird das Heil erlangen, wenn er nicht behauptet, daß es nur die Gesetzesmenschen finden werden - eine Behauptung, die auch du bei Beginn der Unterredung1aufstelltest, als du erklärtest, ich könne nur selig werden, wenn ich das Gesetz beobachte.“

2. Tryphon erklärte: „ ‚Nach meiner Meinung wird er das Heil erlangen’, so konntest du nur sagen, wenn es Leute gibt, die behaupten, daß die Genannten nicht selig werden.“

„Tryphon“, antwortete ich, „es gibt solche und Leute, welche es nicht einmal wagen würden, mit den Genannten sich zu unterhalten und mit ihnen in einer Wohnung beisammen zu sein. Ich stimme ihnen nicht bei. Wenn jene Menschen in ihrer geistigen Beschränktheit mit der Hoffnung auf unseren Christus und mit der Beobachtung der ewigen und im Naturgesetz begründeten Rechtssatzungen und religiösen Vorschriften auch, soweit es jetzt noch möglich ist, alle jene mosaischen Bräuche verbinden wollen, welche nach unserer Ansicht wegen der Hartherzigkeit des Volkes erlassen sind, wenn sie (aber) sich entschließen, mit den Christgläubigen zusammen zu leben, ohne - wie gesagt - sie zur Beschneidung, zur Sabbatfeier oder dergleichen zu überreden, dann muß man doch - meine ich - sie annehmen und in allem mit ihnen wie mit Blutsverwandten und Brüdern verkehren. 3. Wenn dagegen, o Tryphon“, fuhr ich fort, „eure Landsleute, welche behaupten, an unseren Christus zu glauben, die Heiden-Christen auf alle Weise zum Leben nach dem mosaischen Gesetze zwingen oder sich weigern, mit ihnen gemeinschaftlich zu verkehren, in diesem Falle erkenne in gleicher Weise auch ich sie nicht an. 4. Andererseits glaube ich, daß sicher 2 [S. 72] auch die, welche von den Erwähnten sich verleiten lassen, nach dem Gesetze zu leben, selig werden, wenn sie fortfahren, den Christus Gottes zu bekennen. Dagegen bestreite ich entschieden, daß diejenigen das Heil erlangen werden, welche zuerst bekannt und erkannt haben, daß Jesus der Christus ist, dann aber aus irgendwelchem Grunde zum Gesetzesleben übergehend leugneten, daß Jesus der Christus ist; es müßte denn sein, daß sie sich vor dem Tode noch bekehrten. 5. Auch von den Nachkommen Abrahams, welche nach dem Gesetze leben, und welche bis zu ihrem Tode nicht an unseren Christus glauben, bestreite ich, daß sie selig werden; vor allem bestreite ich es dann, wenn dieselben in ihren Synagogen die gläubigen Anhänger eben unseres Christus verfluchten oder verfluchen 3, um heil davon zu kommen und der Feuerstrafe zu entrinnen. 6. Denn (nur) der, welcher von seinen Sünden sich bekehrt, gilt, wie Gott durch Ezechiel4verkündet, vor der Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes 5und vor seinem unermeßlichen Reichtum als gerecht und sündenfrei. Wer von Gottesfurcht und Gerechtigkeit zu Ungerechtigkeit und Gottlosigkeit abfällt, in dem sieht Gott einen Sünder, Ungerechten und Gottlosen, weshalb unser Herr Jesus Christus sagte: ‚So, wie ich euch treffen werde, werde ich euch auch richten’ 6.“

1: 8, 4..
2: ἴσως .
3: Vgl. 16, 4.
4: 33, 12-20..
5: Vgl. Tit. 3, 4; Röm. 2, 4..
6: Dieses Logion Christi wird auch zitiert von Clemens Alex. (Welcher Reiche wird selig? c. 40) und von Hippolyt in der nur in Fragmenten erhaltenen Schrift: Über das Wesen des Universums (P.A. de Lagarde, Hippolyti Rom. quae feruntur omnia graece. 73).

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger