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Justin der Märtyrer († um 165) - Dialog mit dem Juden Trypho (Dialogus cum Tryphone)

1. Es ist auch kein Wunder“, fügte ich bei, „wenn ihr uns hasset, weil wir diese Lehren verstehen, und weil wir euch vorwerfen, daß eure Gedanken stets ein hartes Herz verraten. Euch gelten nämlich die Worte, welche Elias zu Gott bei seinem Zusammentreffen mit ihm spricht 1: ,Herr, Deine Propheten haben sie getötet und Deine Altäre zerstört; ich allein bin übrig geblieben, auch mir streben sie nach dem Leben’, worauf Gott ihm zur Antwort gibt: ,Noch sind mir siebentausend Mann, die ihr Knie nicht gebeugt haben vor Baal.’ 2. Gleichwie Gott damals um jener siebentausend Mann willen seinen Zorn zurückhielt, ebenso ließ beziehungsweise läßt er auch jetzt noch nicht sein Gericht kommen, da er weiß, daß es noch täglich solche gibt, die Jünger seines Christus werden und den Weg des Irrtums verlassen, welche auch, erleuchtet durch den Namen dieses Christus, je nach dem Maße ihrer Würdigkeit Gaben empfangen, indem der eine den Geist des Verstandes, ein anderer den des Rates, dieser den Geist der Stärke, jener den der Heilung, der eine den Geist der Prophetie, der andere den der Belehrung, wieder ein anderer den der Furcht Gottes erhält“ 2.

3. Tryphon wandte daraufhin ein: „Mit solchen Worten redest du einen Unsinn. Das sollst du wissen.“

4. Ich entgegnete ihm: „Höre! Ich rase nicht und rede keinen Unsinn. Es wurde doch prophezeit, daß [S. 59] Christus nach seiner Himmelfahrt uns vom Irrtum befreie, gefangen nehme und uns Geschenke gebe. Es heißt 3: ,Er fuhr auf in die Höhe, nahm gefangen die Gefangenschaft, gab Geschenke den Menschen.’ 5. Da wir nun von Christus, der in die Höhe aufgefahren ist, Geschenke erhalten haben, beweisen wir euch, die ihr ,bei euch selbst weise und vor euren eigenen Augen verständig’ 4seid, aus den prophetischen Worten, daß ihr töricht seid und Gott und seinen Christus nur ,mit den Lippen ehrt’ 5; wir dagegen, die wir die Weisheit aus der Quelle der vollen Wahrheit geschöpft haben, ehren dieselben in der Tat, in der Erkenntnis und von Herzen bis zu unserem Tode.

6. Zu bekennen, daß Jesus der Christus ist, wie es die Schrift, das Leben und die in Jesu Namen geschehenden Wunder zeigen, zögert ihr aber gewiß auch, um nicht von den Fürsten verfolgt zu werden, welche immer und immer wieder unter dem Einfluß des bösen und lügenhaften Geistes, der Schlange, die Bekenner des Namens Christi töten und verfolgen werden, bis Christus wieder kommt, alle vernichtet und jedem gibt, was er verdient.“

7. Tryphon sagte: „Gib uns nun endlich einmal den Grund dafür an, daß der Jesus, welcher, wie du behauptest, gekreuzigt worden und in den Himmel aufgefahren ist, der Christus Gottes ist! 6Denn zur Genüge ist durch die von dir oben zitierten Schriften bewiesen, daß nach der Lehre der Schrift Christus leidensfähig ist, in Herrlichkeit wieder kommt und für ewig die Herrschaft über alle Völker erlangen wird, und daß jedes Reich sich ihm unterwerfen wird. Beweise es uns, daß euer Jesus der Christus ist!“

8. Ich antwortete: „Ihr Männer! Wer Ohren hat, für den ist der Beweis bereits gebracht aus dem, was ihr zugebet. Doch damit ihr nicht glaubet, ich sei in Verlegenheit und ich könne nicht auch die gewünschten [S. 60] Beweise geben, werde ich, wie ich es versprochen habe 7, die Beweise an entsprechender Stelle bringen 8Jetzt aber beeile ich mich, die begonnene Rede fortzusetzen.

1: Vgl. 3 Kön. 19,10.18.
2: Vgl. Is. 11,2; 1 Kor. 12,7-10.
3: Ps. 67,19; vgl. Eph. 4,8.
4: Is. 5,21.
5: Vgl. Ebd. 29,13.
6: Vgl. 36,1.
7: 36,2
8: Justin hat, wie er selbst sagt, bereits bewiesen, daß Jesus der göttliche Messias ist. Doch verspricht er noch weitere Gründe für diese These anzugeben. Er tut dies weiter unten durch den ausführlichen Beweis, daß Jesus präexistierte und daß er aus einer Jungfrau geboren wurde. Vgl. 48,2 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger