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Justin der Märtyrer († um 165) - Dialog mit dem Juden Trypho (Dialogus cum Tryphone)

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[S. 52] 1. Tryphon wandte ein: „Aber, wie ich in Erfahrung gebracht habe, genießen viele 1von denen, welche erklären, Jesus anzuerkennen, und welche Christen genannt werden, den Götzen geopferte Speisen, ohne zu behaupten, irgendwelchen Schaden davon zu haben.“

2. Ich antwortete; „Deshalb, weil es solche Männer gibt, welche ausgeben, daß sie Christen seien, und daß sie den gekreuzigten Jesus als Herrn und Christus bekennen, welche aber nicht dessen Lehren, sondern diejenigen lügenhafter Geister verkünden, werden wir, die Anhänger der wahren und reinen Lehre Jesu Christi, in unserem Glauben und in der von Jesus verkündeten Hoffnung nur noch mehr gestärkt 2. Denn das, wovon er im voraus verkündete, daß es in seinem Namen geschehen werde, sehen wir mit eigenen Augen tatsächlich eintreten. 3. Er hat nämlich gesagt: ,Viele werden kommen in meinem Namen, die äußerlich mit Schafspelz bekleidet sind, innerlich aber reißende Wölfe sind’ 3. Ferner hat er erklärt: ,Es wird Spaltungen und Häresien geben’ 4. ,Hütet euch vor den falschen Propheten, welche zu euch kommen werden, äußerlich mit Schafspelzen bekleidet sind, innerlich aber reißende Wölfe sind’ 5. ,Viele falsche Christus und falsche Apostel werden aufstehen und werden viele von den Gläubigen verführen’ 6. 4. Darum, meine Freunde, gibt es viele und hat es solche gegeben, die gottwidrige und gotteslästerliche Worte und Taten lehren und doch im Namen Jesu kommen; von uns werden sie nach dem Namen derer genannt, von denen die einzelnen Lehren und Meinungen ausgegangen sind. 5. Sie lehren nämlich — die einen auf diese, die anderen auf jene Weise — Lästerungen gegen den Schöpfer des Weltalls und gegen [S. 53] Christus, dessen Ankunft von ihm geweissagt wurde, und gegen den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Mit keinem von ihnen haben wir Gemeinschaft; denn wir wissen, daß sie in ihrer Gottvergessenheit, Gottlosigkeit, Sündhaftigkeit und Lasterhaftigkeit auch Jesus nur dem Namen nach bekennen, nicht aber ihn verehren. 6. Wenn sie sich Christen heißen, machen sie es wie diejenigen Heiden, welche den Namen Gottes auf ihre Arbeiten schreiben und an sündhaften und gottlosen Zeremonien teilnehmen. Von jenen heißen die einen Marcianer 7, andere Valentinianer, andere Basilidianer, andere Satornilianer, die einen so, die anderen anders; jeder hat seinen Namen vom Gründer des Systems. Sie handeln wie diejenigen, welche glauben, Philosophen zu sein, und welche — wie ich in der Einleitung bemerkte 8— die Philosophie, welche sie vertreten, nach dem ‚Vater der Lehre’ benennen zu müssen meinen.

7. Auch aus dem Auftreten der Irrlehrer wissen wir also, wie ich sagte, daß Jesus die Zukunft vorherkannte; wir wissen es aber noch aus vielem anderen, was er den Gläubigen Christusbekennern vorhersagte. Auch alles, was wir leiden, wenn wir von unseren Verwandten getötet werden, hat er nämlich uns prophezeit 9, so daß er offenbar in seinem Reden und Tun in keiner Weise zu tadeln ist. 8. Darum beten wir für euch und alle anderen, welche uns befeinden, damit ihr gleich uns eure Gesinnung ändert und nicht den Christus Jesus lästert, der wegen seines Handelns, wegen der auch jetzt noch in seinem Namen gewirkten Wunder, wegen der Worte seiner Lehre und wegen der auf ihn sich beziehenden Prophezeiungen in keiner Weise angegriffen und beschuldigt werden kann; wir beten, daß ihr vielmehr an ihn glaubet, und daß ihr, wenn er bei seinem Wiederkommen in Herrlichkeit erscheint, gerettet und nicht von ihm zum Feuer verurteilt werdet.“

1: Es ist von gnostischen Sekten die Rede.
2: Vgl. Tertullian, De praescr. 4.
3: Matth. 24,5 u. 7,15.
4: Vgl. 1Kor. 11,18.19.
5: Matth. 7,15; dieses Zitat, das zum Teil soeben erst erwähnt worden ist, dürfte wohl aus einer Randbemerkung in den Text eingedrungen sein.
6: Matth. 24,11.24; Mark. 13,22.
7: Darunter sind wohl die Marcioniten zu verstehen.
8: 2,2.
9: Matth. 10,21.22.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger