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Justin der Märtyrer († um 165) - Dialog mit dem Juden Trypho (Dialogus cum Tryphone)

22.

1. Ebenso hat Gott wegen der Sünden eures Volkes und wegen seines Götzendienstes, nicht aber weil es für dasselbe Bedürfnis war, eure Art von Opfer [S. 32] angeordnet. Vernehmet, wie er hierüber durch Amos 1, einen von den zwölf Propheten, mit lauter Stimme predigt: 2. ,Wehe denen, welche verlangen nach dem Tage des Herrn! Wozu dient euch dieser Tag des Herrn? Derselbe ist Finsternis und nicht Licht. Es ist so, als wenn einer vor einem Löwen flieht, ein Bär ihm begegnet und ihn, wenn er in sein Haus eintritt und er sich mit den Händen an die Wand stützt, eine Schlange beißt. Ist denn nicht der Tag des Herrn Finsternis und kein Licht? Ist er nicht Dunkelheit ohne Glanz? Ich habe eure Feste gehaßt und von mir gestoßen, und ich habe wirklich kein Wohlgefallen an dem Geruch eurer Versammlungen. 3. Wenn ihr mir daher eure Brandopfer und Gaben darbringt, werde ich sie nicht annehmen, und nicht werde ich darauf achten, wenn ihr eure Dankopfer zur Schau stellt. Schaffe weg von mir die Menge deiner Gesänge und Psalmen! Auf deine Musikinstrumente will ich nicht hören. Das Gericht wird heranstürzen wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein unpassierbarer Bergstrom. Habt ihr mir denn in der Wüste Schlachttiere und Gaben gebracht, Haus Israel! spricht der Herr. Ihr habt das Zelt des Moloch angenommen und den Stern eures Gottes Raphan, Darstellungen, welche ihr euch selbst gemacht habt. 4. Ich werde euch versetzen über Damaskus hinaus, spricht der Herr, dessen Name Gott, der Allmächtige, ist. Wehe denen, die in Sion schwelgen und die ihr Vertrauen auf den Berg Samarias setzen! Diejenigen, welche durch die Führer ernannt worden sind, haben die Erstlinge der Völker eingeerntet, für sich selbst schritt einher das Volk Israel. Ziehet alle hin nach Chalene und sehet! Von da gehet nach dem großen Amath, hierauf steiget hinab nach Geth im Lande der Fremden, gehet in die besten von allen diesen Königreichen, um zu sehen, ob ihr Gebiet größer ist als das eurige! 5. Sie gehen zu einem schlimmen Tage, an falsche Sabbate treten sie sich heran, sie schlafen auf elfenbeinernen Ruhestätten und schwelgen auf ihren Betten, sie verzehren Lämmer von der Herde und [S. 33] säugende Kälber mitten aus der Herde, Beifall klatschen sie den Tönen der Musikinstrumente, als wären sie ewig und nicht vergänglich. Aus Schalen trinken sie den Wein, und mit den besten Salben salben sie sich, um Josephs Leid aber kümmerten sie sich nicht. Daher werden sie jetzt in Gefangenschaft geführt werden an der Spitze der auswandernden Fürsten, die Wohnung der Missetäter wird zerstört werden, und aufhören wird in Ephraim das Wiehern der Pferde.’

6. An anderer Stelle spricht Gott durch Jeremias 2: ‚Bringet nur zusammen euer Opferfleisch und die Gaben und esset, denn ich habe euren Vätern keine Verordnung über Gaben oder Trankopfer gegeben an dem Tage, da ich sie an der Hand nahm, um sie aus Ägypten zu führen.’

6. Noch einmal sprach er durch David im 49. Psalm also: ,Der Herr, Gott der Götter, sprach und rief die Erde vom Aufgange der Sonne bis zum Untergange. Von Sion geht seiner Schönheit Pracht aus. Gott wird sichtbar kommen, unser Gott, und nicht wird er schweigen. Feuer wird vor ihm auflodern, und rings um ihn ist gewaltiger Sturm. Er wird rufen den Himmel oben und die Erde, um sein Volk zu richten. Versammelt bei ihm seine Heiligen, welche unter Opfern seinen Bund schließen! Die Himmel werden seine Gerechtigkeit verkünden; denn Gott ist Richter. 8. Höre, mein Volk, ich will zu dir sprechen, Israel, und will es dir bezeugen: der Gott, dein Gott, bin ich. Nicht wegen deiner Opfer will ich dich tadeln; deine Brandopfer sind vor mir immerdar. Nicht will ich aus deinem Hause Kälber annehmen noch von deinen Herden Böcke; denn mir gehören alle Tiere des Feldes, das Vieh auf den Bergen und die Rinder, ich kenne alle Vögel des Himmels, und die Schönheit des Feldes ist bei mir. 9. Wenn ich Hunger habe, werde ich es wahrlich dir nicht sagen; denn mein ist der Erdkreis und alles, was auf ihm wohnt. Esse ich denn das Fleisch von Stieren oder trinke ich etwa das Blut von Böcken? Opfere Gott ein Opfer des Lobes und richte zum [S. 34] Höchsten deine Gebete! Rufe mich an am Tage der Drangsal, und ich werde dich retten. Verherrliche mich! Zum Sünder aber spricht Gott: Wozu zählst du meine Gebote auf und nimmst meinen Bund in deinen Mund? Zucht haßtest du, und meine Worte warfst du hinter dich. 10. Wenn du einen Dieb sahst, dann liefst du mit ihm, und mit dem Ehebrecher wähltest du deinen Anteil. Dein Mund floß über von Bosheit, und deine Zunge flocht Trug, Du saßest und redetest wider deinen Bruder, und gegen den Sohn deiner Mutter bereitetest du Anstoß. Das tatest du, und ich schwieg. Du hattest die sündhafte Vermutung, ich werde dir ähnlich sein. Ich werde dich zurechtweisen und vor dir deine Sünden aufstellen. Merket dies doch ihr, die ihr Gott vergesset, auf daß er nicht etwa zugreife und niemand da ist, der befreie. Das Opfer des Lobes wird mich verherrlichen, und da ist der Weg, auf welchem ich ihm mein Heil zeigen werde.’

11. Also nimmt Gott von euch keine Opfer an, und wenn er ehedem sie angeordnet hat, tat er es nicht aus Bedürfnis, sondern wegen eurer Sünden.

Auch den sogenannten jerusalemischen Tempel nannte er ja nicht deshalb, weil er seiner bedurft hätte, sein Haus oder seine Wohnung, sondern um euch auch auf diese Weise an sich zu ziehen und vom Götzendienste abzulenken. Daß dem so ist, sagt Isaias 3: ‚Was für ein Haus habt ihr mir gebaut? spricht der Herr. Der Himmel ist mein Thron, und die Erde ist der Schemel meiner Füße.’

1: 5,18-6,7.
2: 7,21 u. 22.
3: 66,1.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger