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Justin der Märtyrer († um 165) - Dialog mit dem Juden Trypho (Dialogus cum Tryphone)

19.

1. Tryphon entgegnete: „Das ist es, was mit Recht auffällt, daß ihr solche Drangsale mit Geduld ertraget, nicht aber auch all das übrige, worüber wir nun verhandeln, hinnehmet.“

2. „Nicht für alle, sondern nur für euch ist nämlich diese Beschneidung Pflicht, damit ihr, wie gesagt, das erleidet, was ihr jetzt mit Recht erduldet. Wir nehmen ja auch nicht eure unnütze Brunnenwaschung an; denn neben unserer Waschung, die das Leben gibt 1, hat sie keine Bedeutung, Daher hat auch Gott gerufen 2: ,Ihr habt ihn verlassen, die lebendige Quelle, und habt euch Brunnen gegraben, die eingestürzt sind, und die kein Wasser fassen werden können.’ 3. Ferner braucht ihr trotz eurer fleischlichen Beschneidung unsere Beschneidung, während unsere Beschneidung uns die eurige vollständig entbehrlich macht. Wäre sie uns nämlich notwendig, wie ihr meint, dann hätte Gott den Adam nicht in der Vorhaut erschaffen, noch hätte er auf die Gaben Abels geschaut, der in der Vorhaut des Fleisches geopfert hat 3, noch hätte Enoch in seiner Vorhaut dessen ,Wohlgefallen gefunden; und er verschwand, denn Gott hatte ihn hinweggenommen’ 4 4. Lot wurde, ohne beschnitten zu sein, aus Sodoma gerettet, da jene Engel selbst und der Herr ihm das Geleite gaben 5. Ohne beschnitten zu sein, trat Noe, der Vater eines neuen Geschlechtes, samt seinen Kindern in die Arche. Unbeschnitten war der Priester des Höchsten, Melchisedech, dem selbst Abraham, der erste, [S. 29] welcher die fleischliche Beschneidung empfing, den Zehnten darbrachte ,und es segnete ihn Melchisedech’ 6, nach dessen Ordnung Gott, wie er durch David geoffenbart hat 7, den ewigen Priester einsetzen wird 8.

5. Für euch allein also war diese Beschneidung eine Pflicht, damit, wie Osee, einer der zwölf Propheten, sagt, das Volk kein Volk und die Nation keine Nation sei 9.

6. Auch ohne Sabbatfeier besaßen ja alle die vorhin genannten Gerechten Gottes Wohlgefallen und nach ihnen Abraham und alle seine Nachkommen bis Moses, unter dem sich euer Volk, da es sich in der Wüste das Kalb machte, ungerecht und gegen Gott undankbar zeigte. Aus diesem Grunde gab Gott eurem Volke nach 10und befahl, Opfer zu bringen, und zwar seinem Namen, damit ihr nicht Götzendienst treibet. Doch ihr achtetet auch darauf nicht, sondern ihr opfertet selbst eure Kinder den Dämonen. Auch die Sabbatfeier hat er euch nun zu dem Zweck verordnet, daß ihr an Gott erinnert werdet; sein Wort selbst deutet nämlich dieses also an: ,Auf daß ihr erkennet, daß ich Gott, euer Erlöser, bin’ 11.

1: Gemeint ist die Reinigung durch das Blut Christi; vgl. Kap. 14,1 im Zusammenhange mit den in Kap. 13 erwähnten Isaias-Stellen, nach welchen durch das blutige Leiden des Gottes-Knechtes die Sünden weggenommen werden. Von der Taufe in unserem Sinne ist also zunächst nicht die Rede.
2: Jer 2,13.
3: Vgl. Gen. 4,4.
4: Ebd. 5,24.
5: Ebd. 19.
6: Vgl. Gen.. 14,18 ff.
7: Ps. 109,4.
8: Auf die Unbeschnittenheit der Patriarchen vor Abraham verweist auch Irenäus, Gegen die Häresien IV 16,2; Tertullian, Gegen die Juden 2.
9: Osee 1,9-10
10: Vgl. Irenäus, Gegen die Häresien IV 14,2 u. 15,1-2: Apostol. Const. I 6,8.
11: Ezech. 20,12.20.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger