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Justin der Märtyrer († um 165) - Dialog mit dem Juden Trypho (Dialogus cum Tryphone)

134.

1. Wenn nun die Lehren der Propheten und Jesu selbst noch auf euch Einfluß haben, dann folget lieber Gott als euren törichten und blinden Führern, welche jedem von euch auch jetzt noch gestatten, vier und fünf Frauen zu haben 1, und welche, wenn [S. 219] einer eine Schöne sieht und nach ihr verlangt, erzählen, wie es Jakob, der Israel genannt wurde, und die übrigen Propheten gemacht haben, und welche behaupten, es sei kein Unrecht, es ihnen gleich zu machen! Auch da wiederum zeigen sie sich in ihrer Erbärmlichkeit und Blödheit. 2. Wie ich ja schon gesagt habe 2, vollzogen sich gewisse, geheimnisvolle, große Pläne in diesem ganzen Verhalten (der Patriarchen). Was durch die Ehen Jakobs angedeutet und vorausverkündet wurde, will ich euch darlegen. Ihr sollt nämlich auch in diesem Falle erkennen, daß der Blick eurer Lehrer nie auf das mehr Göttliche gerichtet war, welches Ursache einer jeden Handlung gewesen ist, sondern vielmehr auf das Irdische und auf die verderblichen Leidenschaften. Achtet nun auf meine Worte!

3. Die Ehen Jakobs 3 deuten an, was Christus tun werde; es war nämlich dem Jakob nicht gestattet 4, daß er beide Schwestern zugleich heirate. Er steht im Dienste Labans um dessen Töchter willen und diente ihm, nachdem er bezüglich der Jüngeren getäuscht worden war, noch weitere sieben Jahre. Lia ist euer Volk und die Synagoge, Rachel dagegen ist unsere Kirche. Für die eine und die andere steht Christus noch heute im Dienste, auch für die, welche hier wie dort die Knechte sind. 5. 4. Denn während Noe zweien seiner Söhne die Nachkommen des dritten als Knechte gegeben hatte 6, ist jetzt Christus dagegen gekommen, um sowohl die freien Kinder (von Sem und Japhet) als auch die, welche den beiden zu dienen hatten, wieder gleich zu machen und alle, die seine Gebote beobachten, der gleichen Güter zu würdigen. So sind sowohl die, welche 7 von den Freien, als die, welche von den Mägden dem Jakob geboren worden waren, sämtlich seine Söhne geworden und haben die gleichen Ehren erlangt; der Reihe nach ist von jedem die zukünftige Stellung vorausgesagt worden 8, da man sie vorauswußte.

5. Jakob diente dem Laban um der gesprenkelten, bunten Herden willen 9; Christus diente bis zum Kreuzestode für die ganze bunte, vielgestaltige Menschenwelt, die er sich durch sein Blut und das Geheimnis des Kreuzes als Eigentum erworben hat.

‚Lia hatte schwache Augen! 10; auch die Augen eures Geistes sind gar schwach.

Dem Laban ‚entwendete Rachel die Götter … und verbarg sie’ 11 bis auf den heutigen Tag; für uns sind die Göttergebilde der Väter dahin.

6. Jakob wurde die ganze Zeit von seinem Bruder gehaßt; wir, wie unser Herr selbst, werden jetzt von euch und allen übrigen Menschen gehaßt, die doch alle unsere leiblichen Brüder sind.

Jakob hatte den Beinamen Israel; auch Christus ist, wie gezeigt worden ist 12, Israel, er, der Jesus ist und Jesus genannt wird.

1: Schürer „Geschichte des jüdischen Volkes im Zeitalter Jesu“ I (4) S. 406 f.: „Wieviel Frauen ein Privatmann haben dürfe, wird in der Mischna nicht ausdrücklich gesagt; es wird aber vorausgesetzt, daß er vier bis fünf Frauen haben dürfe (vier: Jebamoth IV,11; Kethuboth X,1-6; fünf: Kerithoth II. 7; vgl. im allgemeinen auch Kidduschin II. 7; Bechoroth VIII: 4).“ In den Jüd. Altertümern XVII. 1,2 schreibt Flavius Josephus: „Es ist nämlich bei uns Sitte, daß ein Mann zu gleicher Zeit mehrere Frauen hat.“
2: Vgl. 112, 1 f.
3: Vgl. Gen. 29, 16 ff.
4: Vgl. Lev. 18,18. – Justinus teilt mit anderen Vätern die Anschauung: eine rechtswidrige Handlung eines Patriarchen findet ihre Erklärung in dem Typus, den Gott durch dieselbe ausdrücken wollte; vgl. dagegen Augustinus, Von der christlichen Lehre 3,23.
5: Vgl. Irenäus, Gegen die Häresien IV. 21,3.
6: Gen. 9, 25: „(Noe) sprach: Verflucht sei Chanaan! Knecht der Knechte sei er seinen Brüdern!“
7: 220
8: Gen. 49, 1 ff.
9: Gen. 30, 31 ff. ; 31, 41.
10: Gen. 29, 17.
11: Ebd. 31, 19. 34.
12: Vgl. 34, 6; 75, 2; 100, 1; 125, 3 u. 5; 126, 1.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger