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Justin der Märtyrer († um 165) - Dialog mit dem Juden Trypho (Dialogus cum Tryphone)

131.

1. Ich will aber auch die Worte zitieren, durch welche geoffenbart wird, daß Gott alle Völker geteilt hat. Sie lauten 1: ‚Frage deinen Vater, und er wird dir Kunde bringen! Frage deine Ahnen, und sie werden es dir sagen! Als der Höchste die Völker schied, als er trennte die Söhne Adams, setzte er die Grenzen der Völker fest nach der Zahl der Söhne Israels. Des Herren Anteil wurde sein Volk Jakob, Israel das Maß seines Erbes.’“

Nach Zitierung dieser Stelle bemerkte ich noch: „Die Septuaginta übersetzte: ‚Er setzte die Grenzen der Völker fest nach der Zahl der Engel Gottes.’ Doch habe ich eure Übersetzung zitiert, da auch dies wiederum 2 für meine Darlegung keineswegs von Belang ist.

2. Wenn ihr die Wahrheit sagen wollt, müßt auch ihr es zugeben: wir halten treuer zu Gott - wir, die wir von Gott durch das geschmähte und viel beschimpfte Geheimnis des Kreuzes berufen wurden, - wir, die wir wegen unseres Bekenntnisses, unseres Gehorsames und unserer Frömmigkeit von den Dämonen und dem Heere des Teufels, deren Gehilfen ihr seid, sogar zum Tode [S. 214] verurteilt werden, - wir, die wir lieber alles über uns ergehen lassen, als nur mit einem Worte Christus zu verleugnen, durch den wir zu dem vom Vater vorherbereiteten Heile berufen wurden. 3. Treuer halten wir zu Gott als ihr, die ihr von dem ‚erhobenen Arme’ beim Erscheinen der großen Herrlichkeit 3 aus Ägypten gerettet wurdet, da das Meer für euch sich teilte und zu trockenem Wege wurde, da Gott daselbst eure Verfolger mit ihrer ganzen zahlreichen Macht und ihren herrlichen Wagen in der Flut des Meeres vernichtete, welches er für euch gangbar gemacht hatte 4, - als ihr, denen eine Lichtsäule leuchtete 5, denen durch den Besitz eines eigenen Lichtes, welches nicht erlosch und nicht unterging, ein Vorzug vor jedem andern Volk der Welt gegeben werden sollte, - als ihr, denen Gott durch Engel des Himmels Brot zur Nahrung, das Manna, regnen ließ 6, damit ihr, auch ohne Brot backen zu brauchen, leben könntet 7, - als ihr, denen zu Mara Süßwasser bereitet wurde 8, - 4. als ihr, denen Gott trotz eurer ständig offenbaren Undankbarkeit vor der festgesetzten Zeit im voraus alle Geheimnisse gegeben hat, denen, wie ich bereits sagte, ein Symbol dessen, der gekreuzigt werden wollte, errichtet worden ist damals, als ihr von Schlangen gebissen wurdet, ferner dadurch, daß Moses geheimnisvoll seine Hände ausstreckte 9 und geheimnisvoll der Name Jesus (Josua) verliehen wurde, wodurch Amalek unterlag 10, dessen Geschichte Gott aufzeichnen ließ, indem er befahl, daß der Name Jesus euren Ohren verkündet werde, und erklärte, durch denselben würde das Andenken an Amalek unter dem Himmel ausgetilgt werden 11.

[S. 215] 5. Daß das Andenken an Amalek auch nach dem Sohne des Nave fortdauert, ist klar. Daß jedoch durch den gekreuzigten Jesus, auf dessen ganze Geschichte jene Symbole im voraus hinweisen, die Dämonen dereinst vernichtet werden und sich vor dem Namen Gottes fürchten, daß seinetwegen alle Mächte und Reiche ebenfalls mit Angst auf ihn schauen, daß überall, wo es Menschen gibt, die Christusgläubigen als gottesfürchtig und friedfertig gelten, tut Gott kund und ergibt sich, o Tryphon, aus meinen obigen Darlegungen.

6. Auch wurde euch auf euer Verlangen nach Fleisch eine so große Menge von Wachteln gegeben, daß sie nicht gezählt werden konnten 12. Ferner sprudelte euch aus einem Felsen Wasser, auch folgte euch eine Wolke, um Schatten zu geben gegen Hitze und Schutz gegen Kälte 13, wodurch bildlich ein anderer, neuer Himmel 14 vorausverkündet wurde. Und nicht brachen die Riemen eurer Schuhe, noch wurden die Schuhe selbst alt. Auch wurden die Kleider nicht abgenützt 15, ja die Kleider eurer Kinder wuchsen mit diesen 16.

1: Deut. 32, 79.
2: Vgl. 124, 2 f.
3: Vgl. Deut. 4, 34; Exod. 6, 1 f.; 13, 21; 16, 10; Apg 13, 17.
4: Exod. 14, 6.
5: Vgl. Exod. 13, 21 f.; 14, 19. 20. 24.
6: Exod. 16, 14 ff.
7: Statt ἳνα μηδὲ σιτομοιίας δεόμενοι ζητήσητε dürfte wohl zu lesen sein: ἳνα … ζήσητε.
8: Exod. 15, 23 ff.
9: Exod. 17, 9 ff.
10: Vgl. 49, 8.
11: Vgl. Exod. 17, 14; Deut. 25, 19.
12: Exod. 16, 13; Num. 20, 11.
13: Vgl. Ps. 77, 14; 104, 39.
14: Vgl. Is. 65, 17; 66, 22; 2 Petr 3, 13; Offb 21, 1.
15: Deut. 8, 4; 29, 5; Neh 9, 21.
16: Diese Behauptung ist eine Folgerung aus Deut. 8,4: „Deine Kleider alterten nicht an dir, Deine Schuhe wurden von dir nicht abgenützt vierzig Jahre lang.“ Nach jüdischer Überlieferung richtete einmal Rabbi Eleazar ben Simon, ein Zeitgenosse Justins, an seinen Schwiegervater Rabbi Simon ben Jose die Frage, ob denn niemand gewachsen wäre, da es doch heiße „Deine Kleider alterten nicht an dir.“ Darauf erhielt er die Antwort: „Wenn die Schnecke wächst, wächst ihre Schale mit ihr.“ Vgl. Goldfahn, a.a.O. S. 41 [PesK 11,21].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger