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Justin der Märtyrer († um 165) - Dialog mit dem Juden Trypho (Dialogus cum Tryphone)

125.

1. „Ihr Männer“, sagte ich, „ich möchte von euch erfahren, was der Name Israel bedeutet.“

Da sie keine Antwort gaben, fuhr ich fort: „Was ich weiß, werde ich euch sagen. Denn nicht halte ich es für recht, trotz meines Wissens zu schweigen und ständig etwas bei mir selbst im Kopfe zu behalten, wenn ich vermute, daß ihr zwar das Wissen habt, aber wegen Eifersucht oder Unerfahrenheit es nicht haben wollt 1. Ich erachte es vielmehr als recht, offen und ohne Trug [S. 205] alles zu sagen gemäß dem Worte meines Herrn 2: ‚Es ging der Säman hin, zu säen den Samen; der eine fiel auf den Weg, der andere unter die Dornen, der andere auf steinigen Boden, der andere auf das gute Erdreich.’ 2. Man muß also reden und hoffen, daß es irgendwo schon gutes Erdreich gebe. Christus, mein Herr, der ‚Starke und Mächtige’ 3 wird nämlich kommen und von allen das Seinige fordern, und er wird seinen Verwalter nicht verurteilen, wenn er merkt, derselbe weiß, daß sein Herr mächtig ist und bei seinem Kommen das Seinige fordern wird, und er hat daher dasselbe bei allen Banken angelegt, nicht jedoch aus irgendwelchem Grunde vergraben 4.

3. Der Name Israel bedeutet nun soviel als: ein Mann, der die Kraft besiegt. Denn Isra heißt ‚siegender Mann’, el aber ‚Kraft’. Daß Christus als Mensch so 5 handeln werde, eben das war geheimnisvoll prophezeit worden auch durch den Kampf, welchen Jakob mit dem kämpfte, der im Gehorsam gegen den Willen des Vaters zwar in die Erscheinung trat, aber doch Gott war, sofern er der Erstgeborene aller Geschöpfe ist 6. 4. Nach seiner Menschwerdung trat nämlich, wie ich oben sagte 7, der Teufel, das ist jene Kraft, welche Schlange und Satan heißt, zu ihm, versuchte ihn und wollte ihn durch die Forderung, er solle ihn anbeten, mit Gewalt stürzen. Doch er überwand ihn und schlug ihn durch den Beweis, daß er böse sei, weil er mit seiner Forderung, als Gott verehrt zu werden, gegen die Schrift handle, und weil er Gottes Pläne verlassen habe. Er entgegnete ihm nämlich: ‚Es steht geschrieben 8: Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen.’ Da ging der Teufel fort, von dem Vorwurf getroffen 9. 5. Doch da unser Christus auch seine Kraft opfern wollte, als er nämlich entschlossen, am Kreuz zu sterben, in Not war und das Leiden auf sich nahm, so ließ er dies vorherverkünden, indem er den Schenkel Jakobs durch [S. 206] Berührung erlahmen ließ 10. Mit dem Namen Israel benannte er seinerzeit den seligen Jakob, um durch seinen eigenen Namen ihn zu segnen und dadurch zu verkünden, daß alle, welche durch ihn zum Vater ihre Zuflucht nehmen, ein gesegnetes Israel sind. Ihr aber habt für all das kein Verständnis und wollt es auch nicht haben, da ihr (nur) der fleischlichen Abstammung nach Kinder Jakobs seid und dennoch die volle Erlösung erwartet. Allein daß ihr auch hierin euch irret, habe ich wiederholt gezeigt.

1: Der Satz ist schlecht überliefert; der griechische Pariser Codex zeigt Radierungen. Ich lese: … ὑπονοοῦντα ἐπίστασθαι ὑμᾶς καὶ διὰ φθόνον ἤ δι ὰπειρίαν οὐ βούλεσθαι ἐπιστασθαι … Der Sinn dieser Worte ist: die Juden wüßten zwar die wahre Bedeutung des Wortes Israel, aber sie wollen davon nichts wissen, weil sie keinem Fremden diesen Namen gönnen, oder weil ihrem Verständnis noch die Heilsgeschichte verschlossen ist.
2: Vgl. Matth. 13, 3-8.
3: Ps. 23, 8.
4: Vgl. Luk. 19, 23.
5: = als Israel.
6: Vgl. Kol. 1, 15.
7: Vgl. 103, 6.
8: Deut. 6, 13 f.
9: Vgl. Matth. 4, 10f.
10: Vgl. Gen. 32, 25.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger