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Justin der Märtyrer († um 165) - Dialog mit dem Juden Trypho (Dialogus cum Tryphone)

123.

1. Wie sich nun alle diese Worte auf Christus und die Heiden beziehen, ebenso - ihr dürft es glauben - auch die oben erwähnten Worte 1. Denn nicht brauchen die Proselyten einen Bund, wenn (bereits) ein und dasselbe Gesetz für die Beschnittenen 2 besteht und die Schrift von jenen erklärt 3: ‚Auch der Geora wird zu ihnen gehören, er wird gehören zum Hause Jakobs’. Es gilt ferner ein Proselyte, weil er sich beschneiden ließ und sich dem Volke (Gottes) angeschlossen hat, soviel wie einer aus dem Volke, während wir, trotzdem wir gewürdigt sind, das Volk [S. 201] (Gottes) zu heißen, gleichwohl, und zwar wegen unserer Unbeschnittenheit die Heiden sind 4. 2. Schließlich ist es auch lächerlich, wenn ihr meinet, die Augen der Proselyten seien geöffnet 5, die eurigen nicht; lächerlich ist es, unter euch die Blinden und die Tauben, unter jenen die Erleuchteten zu verstehen. Noch größer aber wird die Komödie für euch werden, wenn ihr behauptet, das Gesetz sei den Heiden gegeben.

3. Ihr habt euer Gesetz nicht erkannt. Sonst würdet ihr euch vor Gottes Zorn fürchten und wäret nicht die gesetzlosen, irrenden Söhne. Denn immer wieder bekommt ihr sein Wort zu hören: ‚Söhne, denen der Glaube fehlt’ 6 und: ‚Wer ist blind, wenn nicht meine Söhne? Wer ist taub, wenn nicht die, welche über sie herrschen? Geblendet wurden die Diener Gottes. Vielfach habt ihr gesehen, aber nicht Obacht gegeben; geöffnet wurden eure Ohren, aber ihr habt nicht gehört’ 7. 4. Ist schön das Lob, welches Gott euch spendet? Steht Gottes Zeugnis seinen Dienern gut an? Wenn ihr auch oftmals denselben Tadel zu hören bekommt, ihr schämt euch nicht, und mag Gott auch drohen, ihr erschrecket nicht. Ja fürwahr, ein törichtes und hartherziges Volk seid ihr! ‚Darum siehe - spricht der Herr 8 -, werde ich weiterhin dieses Volk versetzen, versetzen werde ich sie; vernichten werde ich die Weisheit der Weisen und verhüllen das Verständnis der Verständigen.’ Ein treffliches Wort! Denn nicht weise seid ihr und nicht verständig, sondern verschmitzt und verschlagen. Weise seid ihr nur im schlimmen Sinne 9. Aber unfähig seid ihr, Gottes verborgenen Entschluß zu erkennen oder des Herrn unlösbaren Bund oder ewige Pfade zu finden. [S. 202] 5. Darum heißt es 10: ‚Ich werde - spricht - er für Israel und Juda Menschensamen und Tiersamen erwecken.’ Durch Isaias 11 verkündet er aber von einem anderen Israel also: ‚An jenem Tage wird Israel der dritte sein inmitten der Assyrer und Ägypter, gesegnet in dem Lande, welches der Herr Sabaoth gesegnet hat mit den Worten: Gesegnet wird sein mein Volk in Ägypten und in Assyrien und mein Erbe Israel.’ 6. Wenn nun Gott unser Volk segnet, es Israel nennt und es als sein Erbe bezeichnet, warum bekehrt ihr euch nicht, die ihr euch durch die Vorspiegelung, ihr wäret allein Israel, betrüget und das gesegnete Volk Gottes verfluchet? Als er nämlich zu Jerusalem und seine Umgegend sprach, da fügte er noch folgende Worte bei 12: ‚Für euch werde ich Menschen ins Leben rufen, mein Volk Israel, und sie werden euch erben, und ihr werdet ihnen als Eigentum gehören, und fürwahr, nicht mehr werdet ihr ferner ohne sie, die Kinder, sein’.“

7. „Wie nun?“ fragt Tryphon. „Ihr seid Israel? Und auf euch beziehen sich diese seine Worte?“

Ich antwortete ihm: ‘Wenn wir nicht ausführlich diese Fragen behandelt hätten, dann würde ich es mir überlegen, ob nicht etwa Mangel an Verständnis dich zu dieser Frage veranlaßt. Aber da wir auch dieses Thema behandelt und bewiesen haben, und du deine Zustimmung gegeben hast, so glaube ich nicht, daß dir die obigen Behauptungen unverständlich sind, oder daß du von neuem Lust zum Disputieren verspürst. Ich glaube vielmehr, daß du für diese hier mich aufforderst, den Beweis zu wiederholen.“

8. Tryphon winkte mir mit den Augen beiläufig zu, und ich fuhr fort: „Wenn ihr mit euren Ohren höret, so vernehmet: wiederum bei Isaias spricht Gott von Christus und nennt ihn im Gleichnisse Jakob und Israel. Er spricht also 13: ‚Jakob ist mein Sohn, ich werde mich seiner annehmen. Israel ist mein Erwählter, meinen [S. 203] Geist werde ich auf ihn legen. Recht wird er den Völkern bringen. Nicht wird er streiten und nicht schreien, und nicht wird man seine Stimme hören auf den Straßen. Ein geknicktes Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen; er wird vielmehr dem Recht zur Wahrheit verhelfen durch Vergeltung. Nicht wird er erlahmen, bis er auf Erden dem Rechte Platz verschafft hat. Auf seinen Namen werden die Heiden hoffen.’ 9. Gleichwie nun euer ganzes Volk nach jenem einen Jakob, welcher auch Israel genannt wurde, den Namen Jakob und Israel erhalten hatte, so werden wir nach Christus, durch den wir für Gott geboren wurden, nicht nur Jakob, Israel, Juda, Joseph, David, sondern auch wahre Söhne Gottes genannt 14und sind es, wenn wir Christi Gebote beobachten.“

1: = Is. 42, 6 f.
2: also auch die Proselyten (der Gerechtigkeit).
3: Is. 14, 1.
4: Sinn: Da es in der oben erwähnten Stelle Is. 42,6 heißt: „ich werde dich machen … zum Licht der Heiden (ἐθνῶν)“, und da die Proselyten nicht zu den ἔθνη, sondern zum λαός gehören, so können die vom „Licht“ Erleuchteten nicht die Proselyten oder die Geora sein.
5: Vgl. Is. 42, 7.
6: Deut. 32, 20.
7: Is. 42, 19.
8: Is. 29, 14.
9: Vgl. Jer. 4, 22.
10: Jer. 31, 27.
11: 19, 24 f.
12: Ez. 36, 12.
13: Is. 42. 1-4; vgl. Matth. 12, 18-21.
14: Vgl. Joh. 1, 12; 1 Joh. 3, 1 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger