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Justin der Märtyrer († um 165) - Dialog mit dem Juden Trypho (Dialogus cum Tryphone)

122.

1. Ihr behauptet zwar, diese Worte beziehen sich auf den Geora 1 und die Proselyten; in der Tat aber sind sie auf uns gesprochen, die wir durch Jesus erleuchtet worden sind. Christus würde ja (sonst) gewiß auch für sie Zeugnis geben; nun aber werdet ihr zweimal Söhne der Hölle, wie er selbst gesagt hat 2. Also sind auch die Worte der Propheten nicht zu jenen gesagt, sondern zu uns, von denen der Logos erklärt 3: ‚Ich werde die Blinden führen auf einen Weg, den sie nicht erkannt haben, und sie werden auf Pfaden wandeln, welche sie nicht gewußt haben. Ich bin Zeuge, spricht Gott der Herr, und mein Sohn, den ich erwählt habe.’ 2. Für wen gibt also Christus Zeugnis? Offenbar für die Gläubigen. Die Proselyten glauben nicht nur nicht, sie lästern sogar noch einmal soviel wie ihr den Namen Jesu und wollen uns, seine Gläubigen töten und martern. In allem haben sie ja das Verlangen, euch gleich zu werden. 3. An anderer Stelle ruft er wiederum 4: ‚Ich, der Herr, habe dich gerufen in Gerechtigkeit, ich will ergreifen deine Hand und dich stark machen. Ich werde dich machen zum Bunde des Volkes, zum Licht der Heiden, auf daß du öffnest die Augen der Blinden und aus den Fesseln die Gefangenen errettest.’ Ihr Männer, auch das ist nämlich auf Christus und in Bezug auf die Erleuchtung der Heiden gesagt. Oder wollt ihr wiederum behaupten: ‚So spricht er unter Bezugnahme auf das Gesetz und die Proselyten’?“

4. Da brachen einige von ihnen, welche am zweiten Tage gekommen waren, in ein Geschrei aus, wie wenn 5 sie im Theater gewesen wären: ‘Wie? Nicht von dem Gesetze spricht er und nicht von der Erleuchtung durch das Gesetz, also von den Proselyten?“

5. „Nein!“ antwortete ich und sah auf Tryphon. „Wenn nämlich das Gesetz die Heiden und die, welche es haben, erleuchten könnte, wozu bräuchte man noch einen Neuen Bund? Nachdem aber Gott vorausverkündet hatte, er werde einen neuen Bund, ein ewiges Gesetz und ewige Gebote schicken, so werden wir doch nicht dabei an das alte Gesetz und seine Proselyten denken, sondern an Christus und seine Proselyten, das ist an uns Heiden, welche er erleuchtet hat. Denn an anderer Stelle sagt er 6: ‚So spricht der Herr: Zur Gnadenzeit erhöre ich dich und am Tage des Heiles war ich dein Helfer, und ich habe dich gemacht zum Bunde der Heiden, daß du aufrichtest das Land und zum Erbe nehmest die verödeten Gegenden.’6. Wer ist nun das Erbe Christi? Sind es nicht etwa die Heiden? Wer ist der Bund Gottes? Ist er nicht Christus? Denn wieder an anderer Stelle 7 erklärt er: ‚Mein Sohn bist du, heute habe ich dich erzeugt; fordere von mir, und geben werde ich dir Heiden zu deinem Erbe und als deinen Besitz die Grenzen der Erde.’

1: Geora (γηόρας) = griechische Transskription des aramäischen (גיורא) ist Synonym von Proselyt; vgl. Exod. 12,19; Is. 14,1.
2: Nach Matth. 23,15 sagte Jesus den Schriftgelehrten und Pharisäern, durch ihre Schuld würden die Proselyten Söhne der Hölle doppelt mehr als sie selbst.
3: Is. 42, 16; 43, 10.
4: Is. 42, 6 f.
5: 200
6: Is. 49, 8.
7: Ps. 2, 7f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger