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Justin der Märtyrer († um 165) - Dialog mit dem Juden Trypho (Dialogus cum Tryphone)

120.

1. Doch sehet! Die gleiche Verheißung erhält auch Isaak und Jakob. Denn zu Isaak spricht Gott: ‚In deinem Samen werden gesegnet sein alle Völker der Erde’ 1, und zu Jakob: ‚In dir und in deinem Samen werden gesegnet sein alle Stämme der Erde’ 2. Nicht mehr redet er so zu Esau oder Ruben oder einem andern. So spricht er vielmehr zu denen, von welchen Christus abstammen wollte; das Heil aber sollte durch die Jungfrau Maria kommen. 2. Würdest du ferner den über Juda gesprochenen Segen 3 erwägen, dann würdest du erkennen, was ich sage. Die Nachkommen Jakobs teilen sich nämlich, und die Linie (Christi) führt (nur) über Juda, Phares, Jesse und David. Damit war angedeutet, daß einige eures Geschlechtes als Kinder Abrahams werden anerkannt werden, weil sie Anteil an Christus haben, während andere als Kinder Abrahams werden befunden werden, da sie dem ‚Sande am Gestade des Meeres’ 4 gleichen, welcher nichts hervorbringt und keine Früchte trägt, zwar zahlreich ist und nicht gezählt werden kann, aber absolut unfruchtbar ist, nichts als Meerwasser trinkt. Gerade so zeigt sich auch die große Masse eures Volkes. Lehren der Bitterkeit und Gottlosigkeit trinken sie miteinander, das Wort Gottes aber spucken sie aus.

3. Es heißt nun im Segen Judas 5: ‚Nicht wird [S. 196] fehlen ein Herrscher aus Juda und nicht ein von ihm stammender Führer, bis der kommt, dem es (= das Königtum) vorbehalten ist; er wird die Erwartung der Heiden sein’ 6. Dies wurde offenbar nicht auf Juda, sondern auf Christus gesagt. Denn wir alle, die wir aus allen Völkern sind, erwarten nicht Juda, sondern Jesus, welcher auch eure Väter aus Ägypten geführt hat. Für die Ankunft Christi wurde das Wort prophezeit: ‚bis der kommt, dem es vorbehalten ist; er wird die Erwartung der Heiden sein.’ 4. Jesus ist nun gekommen, wie wir wiederholt dargetan haben, und wird noch einmal gemäß der Erwartung erscheinen, und zwar auf den Wolken 7, er, dessen Namen ihr entehrt 8, und dessen Name durch eure Bemühungen auf der ganzen Erde entehrt wird.

Ich hätte euch, ihr Männer“ fuhr ich fort, „angreifen können wegen der von euch gebotenen Lesart; ‚bis kommt, was ihm hinterlegt ist’. Denn nicht so hat die Septuaginta übersetzt, sondern: ‚bis der kommt, dem es vorbehalten ist’ 9. 5. Da jedoch die folgenden Worte andeuten, daß von Christus die Rede ist - sie lauten nämlich: ‚und er wird sein die Erwartung der Heiden’ -, so verzichte ich darauf, mit euch über die paar Wörtchen zu disputieren. So habe ich auch meine christologischen Lehren nicht begründen wollen mit Schriftstellen, welche ihr nicht anerkennt, mit den erwähnten 10 Worten des Propheten Jeremias, des Esdras und David. Ich habe sie vielmehr bewiesen mit den von euch bis jetzt anerkannten Stellen. Wenn eure Lehrer diese Schriftstellen verstanden hätten 11, dann hätten sie [S. 197] ganz gewiß für ihre Beseitigung gesorgt 12, so wie sie es mit der Geschichte vom Tode des Isaias gemacht hatten. Mit hölzerner Säge habt ihr den Isaias zersägt 13, womit wiederum geheimnisvoll auf Christus hingewiesen ist, der euer Volk in zwei Teile trennen wollte. Den würdigen Teil mit den heiligen Patriarchen und Propheten beabsichtigt er des ewigen Reiches zu würdigen, den anderen Teil aber wird er, wie er bereits erklärt hat, mit den ungläubigen und hartnäckigen Gesinnungsgenossen aus allen Völkern zur Strafe ins unauslöschliche Feuer verstoßen. 6. ‚Denn’ - so hat er erklärt 14 -‚von Westen und Osten werden sie kommen und werden mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreiche zu Tische sitzen; die Kinder des Reiches aber werden hinausgeworfen werden in die Finsternis draußen.’ Dies ist“, fuhr ich fort, „meine Predigt; denn meine einzige Sorge ist darauf gerichtet, die Wahrheit zu sagen, und vor niemandem werde ich mich fürchten, selbst wenn ich auf der Stelle von euch sollte zerstückelt werden. Ich habe ja auch ohne Rücksicht auf irgendeinen meiner Landsleute, nämlich der Samaritaner, von ihnen an den Kaiser geschrieben 15 und erklärt, daß sie im Irrtum sind, da sie ihrem Volksgenossen, dem Magier Simon, Glauben schenken und lehren, er sei Gott und stehe über jeder Herrschaft, Macht und Kraft.“

1: Gen. 26, 4.
2: Ebd. 28, 14.
3: Ebd. 49, 10.
4: Gen. 22, 17.
5: Gen. 49, 10.
6: Vgl. Dial. 52, 2.
7: Vgl. Dan. 7, 13.
8: Vgl. Mal. 1, 12.
9: Nach Swete lautet der Text LXX: ἕως ἂν ἔλθῃ τὰ ἀποκείμενα αὐτῷ. Doch hatte nach neueren Untersuchungen eine ganze Reihe von LXX-Handschriften die Lesart: ἕως ἂν ἔλθῃ ᾧ ἀποκείται (ὃ ἀπόκειται).
10: Vgl. 71-73.
11: d.h. wenn sie erkannt hätten, daß diese Schriftstellen Beweise für die christlichen Lehren sein werden.
12: Vgl. Irenäus, Gegen die Häresien III. 21,1.
13: Im Talmud und in zahlreichen Väterschriften wird erzählt, daß Isaias unter König Manasse dieses Todes gestorben sei. [Yev 49b; AscJes].
14: Matth. 8, 11 f.
15: I. Apol. 26.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger