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Justin der Märtyrer († um 165) - Dialog mit dem Juden Trypho (Dialogus cum Tryphone)

115.

1. Ihr solltet doch Zacharias Glauben schenken, der in Gleichnissen auf das Mysterium Christi hinweist und es geheimnisvoll predigt. Seine Worte lauten 1: ‚Freue dich und frohlocke. Tochter Sion! Denn siehe, ich komme und werde in deiner Mitte mein Zelt aufschlagen, spricht der Herr. Und viele Völker werden sich an den Herrn an jenem Tage anschließen, und sie werden mir zum Volke sein. Ich werde mein Zelt in deiner Mitte aufschlagen, und sie werden erkennen, daß der Herr der Mächte mich zu dir gesandt hat. 2. Der Herr wird Juda und dessen Anteil im heiligen Lande besitzen und wird noch Jerusalem sich erwählen. Alles Fleisch fürchte sich vor dem Angesichte des Herrn, denn er hat sich erhoben aus seinen heiligen Wolken! Und er zeigte mir den Hohenpriester Jesus (= Josua), der vor dem Angesichte des Engels Gottes stand. Und zu seiner Rechten stand der Satan, um mit ihm zu streiten. Der Herr sprach zum Satan: Möge der Herr, welcher sich Jerusalem erwählt hat, dich zurechtweisen! Siehe, ist denn dieses 2 nicht etwa ein Brandscheit, gerettet aus dem Feuer?’“

3. Da Tryphon antworten und Einwand erheben wollte, sagte ich: „Warte zuerst und höre, was ich sage! Nicht werde ich nämlich die Erklärung geben, welche du vermutest, und behaupten, es sei im Lande Babylon, wo euer Volk in Gefangenschaft war, kein Priester mit Namen Jesus gewesen. Täte ich es, so würde ich dartun, daß es einen Priester Jesus in eurem Volke gab, [S. 187] daß aber ihn alsdann der Prophet 3 nicht in seiner Offenbarung 4 gesehen hatte, wie er andererseits den Satan und den Engel des Herrn nicht mit leiblichen Augen im normalen Zustande, sondern in der Exstase, in der Offenbarung, welche ihm geworden, geschaut hatte.

4. Ich behaupte nun: Gleichwie der Logos nach seiner Erklärung in Kraft des Namens Jesu dem Sohne des Nave Wunder und Taten gewirkt hat, durch welche das Werk unseres Herrn vorausverkündet wurde, ebenso ist, wie ich nun beweisen will, eine Prophezeiung auf das, was unser Priester, Gott und Christus, der Sohn des Vaters des Weltalls, wirken wollte, auch in der Offenbarung gegeben, welche eurem Volke zuteil wurde zur Zeit des Priesters Jesus, der in Babylon gelebt hatte.

5. Ich wunderte mich nun aber“, fuhr ich fort, „warum ihr vorhin während meiner Rede so ruhig wart. Oder habt ihr euch nicht darüber aufgehalten, daß ich sagte 5, der Sohn des Nave sei von den Altersgenossen, die aus Ägypten ausgezogen waren, der einzige gewesen, der ins Heilige Land mit den in der Schrift erwähnten jungen Leuten der späteren Generation einrückte? Ihr macht es ja wie die Fliegen, welche eilends auf Wunden fliegen. 6. Es darf nämlich von dem, was einer spricht, noch soviel recht und gut sein, wenn aber nur irgendein einziges kleines Wörtchen euch nicht behagt oder nicht verstanden wird oder nicht gerade genau ist, dann fragt ihr nicht nach all dem, was recht ist, sondern klammert euch an dem kleinen Wörtchen an und konstruiert eifrig daraus etwas Sündhaftes und Unrechtes. Dafür wird euch von Gott mit eben dem gleichen Gerichte vergolten, vielmehr ihr werdet für eure große Verwegenheit, für eure sündhaften Handlungen oder eure schlimmen, falschen Auslegungen Rechenschaft zu geben haben. Es ist nämlich recht und billig, daß ihr [S. 188] mit dem gleichen Gerichte gerichtet werdet, mit welchem ihr richtet 6.

1: 2, 10 - 3, 2.
2: Mit Rücksicht auf 116, 3 möchte man statt „dieses“ erwarten: „dieser“.
3: Nach 1 Esdr. 5, 1 weissagte Zacharias in Judäa u. Jerusalem.
4: D. h. in diesem Falle hätte der Prophet ihn mit leiblichen Augen in Judäa, wo Zacharias - wie im gesetzten Falle - Jesus weilte, gesehen.
5: 113, 3.
6: Matth. 7, 2.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger