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Justin der Märtyrer († um 165) - Dialog mit dem Juden Trypho (Dialogus cum Tryphone)

113.

1. Ich behaupte aber folgendes: 1: Jesus, der den Namen Auses hatte und mit Chaleb in das Land Chanaan als Auskundschafter geschickt worden war, erhielt, wie ich schon oft sagte, von Moses den Namen Jesus 2. Warum Moses ihm diesen Namen gab, danach fragst du nicht, das macht dich nicht stutzig, das willst du nicht wissen. Darum nun bleibt dir Christus verborgen und kommst du beim Lesen (der Schrift) nicht zur Erkenntnis. Darum auch, wenn du jetzt hörst, Jesus sei unser Christus, meinst du, blinder Zufall habe ihm den Namen gegeben. 2. Ja, darin besteht deine Religion, zu fragen, warum dem Namen, den Abraham zuerst hatte, noch ein Alpha beigefügt wurde. Auch machst du ein großes Getue mit der Frage, warum der Name Sara ein zweites Rho erhielt 3. Warum aber Auses, der Sohn des Nave statt des vom Vater erhaltenen Namens den völlig neuen Namen Jesus bekam, danach fragst du wieder nicht. 3. Zuerst hatte sein Name umgeändert, zuerst hatte aber auch Moses von ihm abgelöst werden müssen, erst dann hat er, und zwar als der einzige seiner Altersgenossen, die mit ihm aus [S. 183] Ägypten ausgezogen waren, den Rest des Volkes in das heilige Land geführt. Gleichwie nun er und nicht Moses das Volk in das heilige Land einführte 4, gleichwie er ferner das Land durch Verlosung an die, welche mit ihm eingezogen waren, verteilte, so wird auch Jesus Christus das (auf der Welt) zerstreute Volk zurückführen und wird jedem das gute Land geben, doch in anderer Weise. 4. Denn während jener, da er nicht Christus, der Gott, und nicht der Sohn Gottes war, ihnen nur vorübergehend das Erbe gab, wird dieser nach seiner heiligen Auferstehung uns ewigen Besitz verleihen.

Jener brachte die Sonne zum Stehen 5, erst nachdem er den Namen Jesus erhalten und von dem Geiste Jesu mit Kraft ausgestattet worden war. Daß Jesus es war, welcher dem Moses, dem Abraham und den Patriarchen überhaupt erschienen ist und zu ihnen im Auftrage des Vaters gesprochen hat, habe ich bewiesen 6. Er ist ewig, wenn er auch kam, um durch die Jungfrau Maria geboren zu werden und Mensch zu sein; 5. bei der Erneuerung von Himmel und Erde nämlich fängt der Vater bei ihm an 7, und durch ihn will er die Neuschaffung bewerkstelligen. Er ist es, der in Jerusalem als ewiges Licht leuchten wird 8. Er ist der König von Salem und der ewige Priester des Höchsten nach der Ordnung des Melchisedech 9.

6. Von Jesus, dem Sohne des Nave, heißt es 10, er habe das Volk das zweite Mal mit steinernen Messern beschnitten, (womit unsere Beschneidung verkündet war, durch welche eben Jesus Christus uns von den steinernen und anderen Götzen beschnitten hat,) und er habe Haufen gebildet 11. Beschnitten wurden [S. 184] (nämlich) überall die aus der Unbeschnittenheit, das heißt die, welche dem Irrtum der Welt unterworfen sind; beschnitten wurden sie mit steinernen Messern, das heißt durch die Worte unseres Herrn Jesus. Daß nämlich in der Predigt der Propheten Christus bildlich als Stein und Fels bezeichnet wurde, habe ich dargelegt 12. 7. Unter den steinernen Messern werden wir also seine Worte verstehen, durch welche so viele, die in der Unbeschnittenheit und im Irrtum lebten, die Herzensbeschneidung erhielten. Auch diejenigen, an welchen die von Abraham hergeleitete Beschneidung vorgenommen wurde, hat Gott durch Jesus seinerzeit zur Herzensbeschneidung angehalten, da er erklärte, daß die, welche damals ins heilige Land eingezogen sind, das zweite Mal von Jesus mit steinernen Messern beschnitten worden seien.

1: im folgenden gibt Justin im Anschluß an die Geschichte von Jesus, dem Sohne des Nave, und an die Geschichte von Jesus, dem Sohne des Josedek, das Resultat der bisherigen Darlegungen: Jesus ist Christus, der Erlöser und ewige Priester.
2: Vgl. Num. 13, 17.
3: Nach Gen. 17,5.15 wurde Ἀβράμ (אברם) in Ἀβράαμ (אברהם) und Σάρα (שרי) in Σάρρα (שרה) umgeändert.
4: Vgl. Tertullian, Gegen Marc. c. 16; Gegen die Juden 9.
5: Vgl. Jos. 10, 12.
6: Vgl. 56 ff.
7: d. h. Jesus ist seiner menschlichen Natur nach das erste Geschöpf der neuen Weltordnung.
8: Vgl. Is. 60, 1. 19. f.
9: Vgl. Gen. 14, 18; Ps. 109, 4.
10: Jos. 5, 2f.
11: Vgl. Jos. 5, 3: „er beschnitt die Söhne Israels am Hügel der Vorhäute“.
12: 34, 2; 70, 1; 76, 1; 86, 2 f. , 90, 5.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger