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Justin der Märtyrer († um 165) - Dialog mit dem Juden Trypho (Dialogus cum Tryphone)

11.

1. Ich gab ihm folgende Antwort: „Tryphon, es wird nie ein anderer Gott sein, noch war von Ewigkeit her ein anderer Gott als der, welcher dieses Weltall gemacht und geordnet hat. Wir glauben ferner, daß unser Gott kein anderer ist als der eurige, daß er vielmehr ein und derselbe ist wie der, welcher eure Väter aus Ägypten geführt hat ‚mit starker Hand und erhobenem Arme’ 1. Auch haben wir auf keinen anderen Gott unsere Hoffnung gesetzt - es gibt ja keinen anderen, - sondern auf denselben wie ihr, auf den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Nicht aber sind es Moses und das Gesetz, welche uns zur Hoffnung geführt haben; in diesem Falle würden wir wahrlich es euch gleich machen. 2. Nun aber habe ich ja gelesen, Tryphon, daß schließlich noch ein Gesetz kommen soll und ein Bündnis, welches alle Bündnisse übertrifft, und an welchem jetzt alle Menschen, die Anspruch auf Gottes Erbe machen, festhalten müssen. Das auf dem Horeb gegebene Gesetz ist bereits veraltet und gehört euch allein, das unsere aber ist für alle Menschen überhaupt. Ist aber ein Gesetz gegen ein anderes aufgestellt, so [S. 17] abrogiert es das frühere, und ein späteres Bündnis hebt in gleicher Weise das frühere auf. Als ewiges und endgültiges Gesetz ist uns Christus gegeben, und verlassen können wir uns auf den Bund, dem kein Gesetz, keine Verordnung, kein Gebot folgt. 3, Oder hast du nicht gelesen, was Isaias 2 sagt? ,Höre mich, höre mich, mein Volk! Und ihr Könige, schenket mir Gehör! Denn ein Gesetz wird von mir ausgehen, und mein Gericht wird sein zur Erleuchtung der Heiden. Eilends naht meine Gerechtigkeit, und mein Heil wird ausziehen, und auf meinen Arm werden die Heiden hoffen.’ Durch Jeremias 3 spricht er über eben diesen Neuen Bund also: ,Siehe, es kommen Tage — spricht der Herr — und ich werde einen Neuen Bund schließen mit dem Hause Israel und dem Hause Juda, nicht wie ich ihn geschlossen habe mit ihren Vätern am Tage, da ich sie bei der Hand nahm, um sie aus dem Lande Ägypten zu führen’ 4. 4. Wenn nun Gott die Einrichtung eines Neuen Bundes angesagt hat, und zwar zur Erleuchtung der Heiden, wir aber es sehen und davon überzeugt sind, daß es Menschen gibt, welche gerade durch den Namen des gekreuzigten Jesus Christus sich von den Götzen und dem anderen Unrecht trennen, Gott zuwenden und bis zum Tode in Geduld ausharren, um Gott zu preisen und ihn zu verehren, dann kann jedermann aus den Tatsachen und aus der sie begleitenden wunderbaren Macht erkennen, daß hier das neue Gesetz und der Neue Bund und die Erwartung 5 derer ist, welche unter allen Völkern das Göttliche Heil erwarten. 5. Das wahre, geistige Israel nämlich und die Nachkommen Judas, Jakobs, Isaaks und Abrahams, der trotz seiner [S. 18] Vorhaut, infolge seines Glaubens, von Gott sein Zeugnis erhielt, von ihm gesegnet und zum Vater vieler Völker ernannt wurde, das sind wir, die wir durch diesen gekreuzigten Christus zu Gott geführt wurden, wie sich noch im Laufe des weiteren Gespräches zeigen wird.“

1: Deut. 5,15; Ps. 135,2.
2: 51,4-5.
3: 31,31-32.
4: Zu dieser Verwertung der beiden Prophetenstellen (Is. 51,4 f. u. Jer. 31,31 f.) schreibt Lagrange: „L’idée d’une alliance nouvelle se transmettait à tous les Chrétiens avec le souvenir de la dernière Céne du Christ (Luc. 22,10). Justin la tenait donc de la tradition et de l’enseignement de Saint Paul. Il lui donne une expression saissante et l’appuie sur deux textes bien choisis“ (Saint-Justin, S. 89).
5: Vgl. Gen. 49,10.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger