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Chrysostomus († 407) - Homilien über den II. Thessalonicher-Brief
Dritte Homilie.

4.

Kap. II.

1. Wir bitten euch aber, Brüder, in Bezug auf die Ankunft unsers Herrn Jesu Christi und unserer Versammlung um ihn,
2. daß ihr euch nicht so schnell von eurem Sinne abwenden lasset.

Wann die Auferstehung stattfinden werde, das sagt der Apostel nicht, wohl aber, daß der Zeitpunkt derselben jetzt noch nicht eintrete. „Und bei unserer Versammlung um ihn.“ Auch das ist eine bedeutungsvolle Bemerkung. Denn in der Ankündigung, daß der Herr und alle Heiligen gleichzeitig mit uns selbst erscheinen werde, ist ein großes Lob, zugleich aber auch eine gewaltige Anfeuerung enthalten. Der Apostel spricht hier von der Erscheinung Christi und von unserer Versammlung um ihn, weil beides zu gleicher Zeit stattfinden wird. Damit hebt er gar gewaltig den Muth der Gläubigen: „Damit ihr euch,“ sagt er, „nicht so schnell abwendig machen lasset.“

[S. 768] Und daß ihr euch nicht in Unruhe versetzen lasset, weder durch einen Geist, noch durch eine Lehre, noch durch einen Brief, den man uns zuschreibt, als ob der Tag des Herrn nahe bevorstehe.

Aus diesen Worten scheint hervorzugehen, daß es damals Leute gegeben habe, welche, um die Gläubigen irre zu führen, mit einem selbstgefertigten, angeblich aber von Paulus herrührenden Briefe auf denselben lehrten, der Tag des Herrn stehe nahe bevor. Um nun die Gläubigen gegen die Versuchungen solcher Irrlehrer zu wappnen, schreibt der Apostel: „Lasset euch nicht in Unruhe versetzen, weder durch einen Geist noch durch eine Lehre!“ Damit will er sagen: Sollte auch Einer, der den Geist der Weißagung besitzt, solcherlei Dinge verkünden, so glaubet ihm nicht! Denn als ich persönlich bei euch war, habe ich euch über diesen Punkt belehrt, und nun werdet ihr doch wohl dem Glauben, worin ich euch unterrichtet habe, nicht untreu werden wollen.

„Weder durch einen Geist.“ So nennt der Apostel die falschen Propheten, welche Das, was sie verkündeten, auf Antrieb eines unreinen Geistes sprachen. Um ihren Lehren Eingang zu verschaffen, begnügten sie sich nicht, Andere durch ihre Reden irre zu führen; (auf solche Reden weist der Apostel hin mit den Worten: „Noch durch eine Lehre“ ) nein, sie wiesen auch einen falschen, angeblich von Paulus verfaßten Brief vor, der dieselben Lehren enthielt. Darauf nimmt der Apostel Bezug mit den Worten: „Noch durch einen Brief, den man uns zuschreibt.“

Nachdem nun Paulus die Gläubigen nach allen Seiten sicher gestellt hat, setzt er seine Lehre folgendermaßen auseinander.

[S. 769] 3. Lasset euch von Niemand irre führen auf irgendeine Weise, denn zuvor muß der Abfall kommen und offenbar werden der Mensch der Sünde, der Sohn des Verderbens,
4. der sich auflehnt und überhebt über Alles, was da Gott heißt oder göttlich verehrt wird, so daß er sich wie Gott in den Tempel Gottes setzt, sich darstellend, als sei er Gott.

An dieser Stelle redet der Apostel vom Antichrist und enthüllt wichtige Geheimnisse. Was ist „der Abfall“? Abfall nennt er den Antichrist selbst, weil er Viele verderben und zum Abfall verleiten wird, „so daß,“ wie geschrieben steht, „wenn es möglich wäre, selbst die Auserwählten verführt würden.“1 Er nennt ihn „Mensch der Sünde;“ denn er wird viele Frevelthaten verüben und auch Andere zu solchen verführen. Er heißt ihn „Sohn des Verderbens,“ weil auch er dem Verderben geweiht ist. Wer ist nun aber dieses? Etwa der Satan? Keineswegs. Es ist ein Mensch, der ganz und gar nach dessen Sinn handelt.

„Zuvor muß offenbar werden der Mensch der Sünde, der sich erhebt über Alles, was Gott heißt oder göttlich verehrt wird.“ Er wird die Menschen nicht zum Götzendienste verführen, sondern eine Art von Gegengott sein, er wird alle Götter stürzen und für sich selbst an Gottes Stelle Anbetung fordern, und „sich in den Tempel setzen,“ nicht bloß in den zu Jerusalem, sondern in die Kirchen allüberall.

[S. 770] „Sich darstellend, als sei er Gott.“ Wohlgemerkt, es heißt nicht: Er wird sich für Gott ausgeben, sondern: er wird sich als Gott darzustellen versuchen; gar große Thaten wird er nämlich vollbringen und wunderbare Zeichen thun.

1: Matth. 24, 24.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger