Studium in Sozialanthropologie

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Was ist Sozialanthropologie?

Die Sozialanthropologie kann definiert werden als die Wissenschaft der kulturellen und sozialen Vielfalt, und, allgemeiner ausgedrückt, als die Wissenschaft des Menschen in der Gesellschaft. Nachdem sie sich zu Beginn mit exotischen und traditionellen Gesellschaften beschäftigt hat, fokussiert sich die Sozialanthropologie heute auch auf westliche und moderne Gesellschaften. Neben der Analyse von lokalen Gemeinschaften untersucht die Sozialanthropologie ebenfalls die sozialen Beziehungen, welche die urbanen und ruralen Bevölkerungen an lokale, nationale und internationale Ebenen binden.

Um das Universelle und das Partikuläre, das Lokale und das Globale in einen Zusammenhang zu bringen, wendet die Sozialanthropologie einen komparativen Ansatz an. Dieser zeichnet sich aus durch seine spezifischen qualitativen Methoden, welche in vertieften Feldstudien insbesondere in Form der teilnehmenden Beobachtung und Interviews angewandt werden. Die Informationen, die dadurch gewonnen werden, beleuchten nicht nur die Lebensbedingungen und den Sichtpunkt der untersuchten sozialen Gruppe, sondern tragen in einer allgemeineren Weise zur Reflexion über die Vielfalt der Kulturen und die Einheit des menschlichen Geschlechts bei.

Sozialanthropologie heute

Die Sozialanthropologie bietet Werkzeuge zum Verständnis der Transformationen der modernen Gesellschaft. Zu ihren Untersuchungsobjekten gehören neue Formen von Organisation, Kooperation und Konflikt, Migrationsphänome, das Verhältnis zur Umwelt, das urbane Leben, verschiedene Formen von sozialer und politischer Mobilisation, Körperpraktiken und -repräsentationen, die Gesundheitssysteme, neue religiöse Bewegungen, der Tourismus, die Rituale und auch der Gebrauch von neuen Technologien.

Heutzutage nutzt die Disziplin die Synergien zwischen der Grundlageforschung und der angewandten Praxis.

Die Sozialanthropologie in Fribourg

Im Jahr 1942 durch den Gründer der Wiener Schule, Pater Wilhelm Schmidt, eingeweiht, ist der Lehrstuhl für Ethnologie der älteste dieser Disziplin in der Schweiz. Umbenannt in Seminar für Sozialanthropologie im Jahr 2002, wurde der Lehrstuhl 2009 in den Bereich „Gesellschafts-, Kultur- und Religionswissenschaften integriert.

Die Kompetenz- und Spezialisierungsbereiche der Lehrenden sind die politische Anthropologie, Wirtschafts- und Religionsanthropologie, deren Studie sich auf die Forschung der Lehrenden hauptsächlich im Raum Europas (Süd-, Mittel- und Osteuropa) sowie in Asien (Indien und Malaysia) stützt. Auf BA Niveau befasst sich die Ausbildung mit der Geschichte, den Theorien und den Hauptkonzepten der Sozialanthropologie und untersucht ausserdem aktuelle anthropologische Debatten, welche in unterschiedlichen geographischen und kulturellen Kontexten studiert werden. Auf MA Niveau beinhaltet die Lehre im Wesentlichen interethnische Beziehungen und interkulturelle Dynamiken, welche in verschiedenen Formen und auf unterschiedlichen Ebenen untersucht werden (Nationen, Ethnien, Kasten, Minderheiten, Familien, Religionen, etc.).

Ab dem Herbstsemester 2009 können sich die Studierenden für den BA Studiengang „Gesellschafts-, Kultur- und Religionswissenschaften" mit der Option Sozialanthropologie in Französisch und Deutsch einschreiben. Der Bachelor kann auch mit einem Vermerk zweisprachig/bilingue erworben werden. Die vorgesehene Dauer des Bachelorstudiengangs ist drei Jahre. Zudem wird die Möglichkeit angeboten, die universitäre Bildung fortzusetzen mit dem MA Studiengang „Plurale Gesellschaften: Kulturen, Politik und Religion". 

Der spezifische Ansatz der Sozialanthropologie wird zudem bereichert durch interdisziplinären Austausch mit der Religionswissenschaft und den «études socio-politiques», von welchen einige Unterrichtseinheiten in die BA und MA Studienpläne der Sozialanthropologie integriert sind.

Zusätzlich profitiert das Seminar von einem breiten Netzwerk der Zusammenarbeit in den Bereichen der Lehre und der Forschung, welches den Austausch mit Studierenden und Professoren mit zahlreichen Universitäten erlaubt.

Die Veranstaltungen werden auf Deutsch, Französisch und vereinzelt in Englisch angeboten. Im Lichte eines offenen akademischen Geistes sind die Veranstaltungen genährt von deutschen, französischen und angelsächsischen akademischen Traditionen und öffnen somit breitgefächerte, an die neuen Forderungen der Sozialanthropologie in modernen Welten angepasste, Perspektiven auf die Disziplin.

Berufsmöglichkeiten

Die Ausbildung zum Sozialanthropologen/zur Sozialanthropologin kann in einer breiten Auswahl von Berufsaktivitäten zur Anwendung kommen. Die während dem Studium erworbenen Kompetenzen sind nicht nur für die universitäre Forschung von Nutzen, sondern sind auch mobilisierbar in manchen anderen Arbeitskontexten: so zum Beispiel zur Koordination eines sozialen oder erzieherischen Projektes, zum Beitrag zur Evaluation einer politischen oder organisationellen Aktion, zur Animierung oder Koordination einer Gruppe, einer Vereinigung, etc. Folglich können die möglichen Aktivitätsbereiche sehr vielfältig sein: Vereinsarbeit, Sozialbereich, Privatwirtschaft, Human Resources, Consulting, interkulturelle Mediation, NGOs, kantonale und föderale Institutionen, Bundesdienste, diplomatischer Dienst, Journalismus, Erziehung und Bildung. 

 

Séminaire d'Anthropologie sociale  -   Bd de Pérolles 90    -   1700 Fribourg   -  Tel +41 26 / 300 7842    -   Fax +41 26 / 300 9664 
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