Département de Médecine, Unité d'Anatomie; Université de Fribourg;
M. Adé-Damilano; 2005-2006



Ableitende Harnwege



Die Ureter


Die Ureter sind 25 - 30 cm lange, enge Gänge mit einem Durchmesser von 4 - 7 mm. Sie beginnen im Nierenbecken, verlassen die Niere durch das Hilum und enden in der Harnblase.

Der Urin fliesst nicht kontinuierlich vom Nierenbecken in den Ureter, sondern wird durch periodische Kontraktionen, alle 20 - 30 Sekunden, befördert (peristaltische Wellen). Diese peristaltischen Wellen beginnen am Nierenbecken und beeinflussen die Öffnung des Ureters. Die Ureteröffnung bleibt einige Sekunden offen um den Urin durchzulassen und schliesst sich dann wieder bis zur nächsten Welle.

Beide Ureter münden in die Harnblase, ca. 4 cm voneinander entfernt, durchqueren schräg die Harnwand und enden nach dieser ca. 2 cm langen Passage 2,5 cm voneinander entfernt in der Harnblase. Die stark schräge Einmündung der Ureter in die Harnblasenwand und ihre Verankerung mit den Muskeln des Trigonum vesicale (die Muskularis funktioniert wie ein Ventil) bilden ein Antirefluxsystem welches den Rückfluss des Urins in die Niere verhindert.


Die Ureterwand besteht aus drei Schichten:

  • eine Mukosa (Tunica mucosa: Urothel + Lamina propria mucosae)
  • eine Muskularis (Tunica muscularis)
  • eine Adventitia (Tunica adventitia)
Ureter
Act.


Die Mukosa ist mit einem Urothel ausgekleidet, welches auf einem an elastischen Fasern reichen Bindegewebe (Lamina propia mucosae) ruht. Die Falten der Mukosa bilden im Transversalschnitt ein sternförmiges Lumen. Wenn der Urin durchfliesst, glätten sich die Falten und der Ureter dehnt sich.

Die eher dicke Tunica muscularis besteht aus 2 bis 3 Muskelschichten.

Im proximalen Teil des Ureters besteht die Muskularis aus zwei Schichten glatten Muskels:

  • eine innere Längsschicht (Stratum longitudinale internum)
  • eine mittlere Zirkulärschicht (Stratum circulare)

Im distalen Drittel des Ureters besteht die Muskularis aus drei Schichten glatten Muskels:

  • eine innere Längsschicht (Stratum longitudinale internum)
  • eine mittlere Zirkulärschicht (Stratum circulare)
  • eine äussere Längsschicht (Stratum longitudinale externum)

Die Muskelfaserbündel sind durch mehr oder weniger starke Bindegewebebalken getrennt. Die Muskularis, die vom vegetativen Nervensystem gesteuert wird, erlaubt eine gewisse Peristaltik und ermöglicht somit die Beförderung des Urins bis zur Harnblase.

Die Adventitia besteht aus lockerem Bindegewebe, in dem sich zahlreiche Gefässe, einige Nervenganglien und viele Kollagenfasern befinden.



Die Harnblase


Die Harnblase ist ein muskuläres Hohlorgan dessen Funktion ist, den von den Nieren produzierten Harn zu sammeln und zwischen den Harnlassen zu speichern. Sie ist ein sehr elastisches und dehnbares Organ.

Ihre Form hängt vom Füllzustand ab. Wenn sie leer ist oder wenig Urin enhält ist sie pyramidenförmig. Wenn sich mehr Urin ansammelt dehnt sie sich langsam aus und wird birnenförmig.
Sie hat eine variable Kapazität von ca. 350 - 500 ml. Das Bedürfnis Wasser zu lassen wird spürbar wenn sie ca. 300 - 400 ml Urin enthält.
Die funktionell wichtige Zone ist das Trigonum vesicae, das Blasendreieck (Dreieck bestehend aus den zwei Einmündungen der Ureter und der Mündung in die Urethra), welches sich an der Facies posterior der Harnblase befindet.


Die Wand der Harnblase ist histologisch gleich aufgebaut wie der letzte Drittel des Ureters:

  • eine Mukosa (Urothelium + Lamina propria mucosae, mehr elastischen als kollagenen Typs)
  • eine glatte Muskularis (inneres Stratum longitudinale, eine mittlere zirkuläre Schicht und ein äusseres Stratum longitudinale) (M. detrusor vesicae)
  • eine Adventitia
Leere Harnblase
Act.
Gefüllte Harnblase Act.


Wenn die Harnblase leer ist, wirft die Mukosa der Harnblase Falten auf. Diese glätten sich wenn sich die Blase füllt. In der Muskularis ist die mittlere zirkuläre Schicht die breiteste der drei Schichten.

Die Tunica adventitia ist beim Kind reich an Bindegewebe.
Beim Erwachsenen besteht sie aus reichlichem Fettgewebe. Zwischen den Fettlappen bildet dichtes Bindegewebe mit Lymph- und Blutgefässen und ein starker Nervenplexus Trabekel.



Die Urethra, Harnröhre


Die Urethra ist ein einzelner Gang, welcher am Cervix vesicae beginnt. Sie ermöglicht die Ausscheidung des Urins aus dem Organismus. Die Urethra endet am Ostium urethrae externum, welches sich beim Mann an der Spitze des Penis und bei der Frau in der Mitte der Vulva befindet.
Die Urethra der Frau dient nur der Ausscheidung von Urin, diejenige des Mannes hingegen der Ausscheidung von Urin und Sperma.

Zur Kontrolle des Abflusses des Urins dienen zwei Sphincter:

  • der innere, glatte Sphincter der Urethra besteht aus glattem Muskel (Verlängerung der Muskelfasern des M. detrusor vesicae)
  • der gestreifte Sphincter des äusseren Damms besteht aus Skeletmuskulatur.

Die Kontrolle dieser zwei Sphincter ist für den Harnlass unentbehrlich. Der innere, glatte Sphincter wird durch das vegetative Nervensystem kontrolliert (willensunabhängig), der äussere, gestreifte Sphincter wird vom Zentralnervensystem beherrscht (willensabhängig).

Harnlass
Act.

Die Wand der weiblichen oder männlichen Urethra besteht aus histologischer Sicht aus 3 Schichten:

  • eine Mukosa
  • eine glatte Muskularis
  • eine Adventitia



Die männliche Urethra


Beim Mann misst die Urethra ca. 20 cm und es werden drei Teile unterschieden:

  • Pars prostatica: entspringt von der Harnblase und verläuft durch die Prostata, misst ca. 4 cm
  • Pars membranacea: verläuft durch die Muskeln des Damms, misst ca. 1 cm
  • Pars spongiosa: misst ca. 15 cm misst

Im Verlauf ausserhalb der Pevis ist die Urethra von einem Schwellkörper umgeben.

Männliche Urethra
Männliche Geschlechtsorgane
Act.


1
2
3
4
5
6
Harnblase
Urethra, pars prostatica
Ductus ejaculatorius
Prostata
Urethra, pars membranacea
Urethra, pars spongiosa

Histologische Spezifizierung:

  • Die Mukosa der pars prostatica (im proximalen Teil ab der Einmündung der Ductus ejaculatorii) ist mit einem Urothelium ausgekleidet.
    In der pars membranacea ist dies ein mehrschichtiges isoprismatische Epithelium, und in der pars spongiosa ein zweischichtiges isoprismatisches Epithelium. Auf der Höhe der Fossa navicularis wandelt es sich in ein unverhorntes Plattenepithelium um.
    Die Lamina propria mucosae besteht aus lockerem Bindegewebe, welches viele elastische Fasern und Plexi venosi enthält
  • In der pars spongisa, befinden sich in der Lamina propria mucosae reichlich Schleimdrüsen von azinösem oder tubuloazinösem Typ (Littré- Drüsen). Deren Schleim dient der Schmierung der Urethra.
    In den äusseren Teil der Lamina propria und der anliegenden Muskularis dringen venöse Lakunen ein, die in ein Gerüst aus elastischen Fasern und reichlich glatten Muskelzellen eingebettet sind. Dieser Schwellkörper ist ein erektiles Gewebe.
Littré-Drüsen
Act.
Muköse Drüse Act.
azinöse oder tubuloazinöse Form Act.
  • Die Muscularis der pars prostatica und membranacea besteht aus einem gut sichbaren, inneren Stratum longitudinale und einem dünneren, äusseren Stratum circulare.
    Die pars membranacea wird von gestreiftem Muskel umgeben (Sphincter externum).


Die weibliche Urethra


Die weibliche Urethra ist wesentlich kürzer als die männliche und misst ca. 3-4cm.

Histologische Spezifizierung:

  • Die Mucosa wird im proximalen Teil von einem Urothelium ausgekleidet, im distalen Teil hingegen durch ein mehrschichtiges isoprismatisches Epithelium.
    Die Falten der Mukosa bilden im Querschnitt ein sternförmiges Lumen. Diese länglichen Falten verschwinden wenn die Urethra sich dehnt.
    In der an elastischen Fasern reichen Lamina propria befinden sich kleine Schleimdrüsen (Skéne-Drüsen), welche Schleim aussondern (Schmierung der urethralen Wand) und einen stark ausgebildeten Plexus venosus.

  • Die glatte Muskularis besteht aus einem inneren Stratum longitudinale und einem äusseren Stratum circulare. Im mittleren Drittel ist die Urethra von gestreifter Muskulatur umgeben (gestreifter Sphincter externus).